- Broschiert: 268 Seiten
- Verlag: Frankfurter Allgemeine Buch (2001)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3898430413
- ISBN-13: 978-3898430418
- Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 14,8 x 2,2 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.902.071 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
Produktinformation
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Freiheit vor Sicherheit
Aus der Flut konventioneller sozialpolitischer Publikationen mit dem immer gleichen Tenor «Mehr soziale Gerechtigkeit durch mehr kollektivierende Umverteilung» ragt dieser von Otto Graf Lambsdorff herausgegebene Sammelband in erfrischender Weise heraus, da er eine «Sozialpolitik andersherum» formuliert. Hubertus Müller-Groeling zeigt einleitend, dass die oft vergessene «soziale» Dimension des Marktes als Institution überhaupt erst Massenwohlstand und den Aufstieg des «kleinen Mannes» ermöglicht. Sozialpolitik sollte nicht bloss ein Reparaturbetrieb sein, sondern die Einzelnen ökonomisch stärker und damit unabhängiger von Staatsleistungen machen. Detmar Doering zeigt, wie Sozialpolitik den Gemeinsinn zerstört, dessen Verlust die Politiker so wortreich beklagen. Niemals gab es mehr freie soziale Initiativen als in einer Zeit, in welcher der Staat die Nächstenliebe noch nicht kollektiviert hatte. Da Sozialpolitik als Umverteilungspolitik immer moralisch bedenklichen Zwang mit sich führt, sollte sich diese Umverteilung auf die wirklich Hilfsbedürftigen konzentrieren und mit dem Instrument transparenter Direktunterstützung arbeiten, wie Gerhard Schwarz in zwei Beiträgen ausführt. Dass in den Staatsverfassungen eingefügte Subsidiaritätsgrundsätze nicht helfen, wenn die Subsidiarität selber nicht schon in den sozialen Institutionen dargestellt ist, beleuchtet ein Beitrag des Philosophen Hartmut Kliemt. Eine «Generationenbilanz der deutschen Wirtschafts- und Sozialpolitik», die Bernd Raffelhüschen aufstellt, zeigt die wachsende Gerechtigkeitslücke zwischen den Generationen; diese wird früher oder später den sogenannten Generationenvertrag sprengen. Zweifellos hätte dem Band eine ergänzende kritische Analyse sozialpolitischer Leitbegriffe, ihrer irreführenden Euphemismen, gut getan. Aber auch so ist dieser Band hilfreich für jeden, der sich weigert, sozialpolitischen Fortschritt in mehr Staat und Umverteilung zu erblicken. Denn nichts ist unsozialer als der gegenwärtige «Sozialstaat» in Europa.
Gerd Habermann
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