Dieses Buch stellt authentische Biographien inhaftierter rechtsorientierter Jugendlicher und Porträtfotografien anderer Jugendlicher, die sich in Freiheit der rechten Szene zugehörig fühlen, gegenüber. Die Lebensberichte wurden von Viktor Kalinke im Jugendstrafvollzug gesammelt. Dort gelang es ihm, mit Inhaftierten über sonst kaum geschilderte Kindheitserlebnisse, Familienstrukturen und Einstellungen ins Gespräch zu kommen. Er hat sie für das Projekt frei nacherzählt. Die Fotografien von Bertram Kober entstanden in Leipzig-Grünau, einer typischen ostdeutschen Plattenbausiedlung im Rahmen akzeptierender Jugendsozialarbeit.
"Freiheit macht Arbeit" provoziert. Am Punkt ihres Scheiterns - im Gefängnis - sind die Jugendlichen bereit, Selbstauskünfte zu geben. In der Zusammenstellung mit Bildern von "ganz normalen", in Freiheit lebenden rechten Cliquenmitgliedern, liegt die Brisanz des Projektes, das in dieser Form auf der Internationalen Fotoschau in Herten 2001 zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wird.
"Die Fotografien bedienen weder voyeuristische Bedürfnisse, noch entsprechen die Fotos der Jugendlichen den Bildern, die Normalbürger über Rechtsradikale im Kopf haben. Das Konzept, die Darstellung der Jugendlichen aller Gewißheiten zu entziehen, geht auf. Und es muß Schluß sein, mit dem Mißbrauch der Glatzen zur Entlastung einer Erwachsenengesellschaft, die zu großen Teilen selbst tief in rassistischen Denkmustern verstrickt ist. Wenn dem braven Bürger, der seine Gewaltphantasien gegenüber allem Andersartigen beim Feierabendbier pflegt, tagtäglich in Fernsehen und Hochglanzmagazinen mitgeteilt wird, wie die Verantwortlichen für Fremdenhaß aussehen, nämlich kurzhaarig, kann er sich entspannt zurücklehnen - schließlich sind es die anderen und nicht er. Projektive Verlagerung nennt man das in der Psychologie." (Eberhard Seidel-Pielen)