Curse - das ist einer der einflussreichsten, eigenwilligsten und besten Rapper Deutschlands. Kaum einer hat dem Deutschen Hip Hop so viele frische Impulse verliehen wie der Mindener. Vor allem mit seinem dritten Album "Innere Sicherheit" (Für mich sein Bestes), indem so viele "echte" Instrumente wie in kaum einem anderen deutschen Rap-Album Verwendung fanden und das zeitlose Klassiker wie "Und was ist jetzt" und "Widerstand" enthält, setzte Curse neue Maßstäbe. "Sinnflut" ist ebenfalls ein imposantes Werk, das mit Songs wie "Gangsta Rap" oder "Links, Rechts" glänzen kann, aber nicht die atmosphärische Dichte des Albums "Innere Sicherheit" aufweist, da das mit bedeutungsschweren Botschaften, kühlen Beats und einer Vielzahl völlig verschiedener Songs überfrachtete Werk auf Albumlänge nicht so recht harmonieren will. Man hat das Gefühl, Curse nahm sich und seine Musik etwas zu wichtig, und wollte sich noch einmal selbst auf Biegen und Brechen beweisen.
Diese von Erfolgsdruck gekennzeichnete Herangehensweise hat Curse offenbar bei seinen Arbeiten zu "Freiheit" durch eine gelassenere und entspanntere Haltung ersetzt. Obwohl er mit seiner ersten Single ein gewohnt großes Thema anpackt, erdrücken die Lyrics den Hörer nicht, sondern schlagen angenehm zurückhaltende Töne an. Gleiches gilt für den nahezu perfekten Beat, der zwar stimmig, aber nicht zu soft geraten ist und in seiner Wärme und Harmonie fast schon Kanye Wests Produktionen auf Commons Album "Be" ähnelt, das Curse ja bekanntermaßen sehr schätzt. Wer erwartet, Curse wäre mit dem Cover des Westernhagen-Songs "Freiheit", dessen Refrain sich leicht modifiziert auf dem Curse-Track wiederfindet, einzig auf billige Aufmerksamkeit aus, täuscht sich. Dass Westernhagens Mitwirken an der Single natürlich eine gewisse mediale Präsenz mit sich zieht, ist natürlich unbestritten und sicher auch so von Curse beabsichtigt. Trotzdem kann man nicht verleugnen, dass die von Curse verwendete Stadion-Version des Refrains die perfekte Ergänzung zu dem vielschichtigen Songtext darstellt und keineswegs wie ein unförmiger Fremdkörper wirkt. "Freiheit" ist ein textlicher wie musikalischer Geniestreich, ein Song, der das Prädikat "Hymne" ohne Abstriche verdient. Jetzt darf man gespannt auf das dazugehörige Album sein, wenngleich eine zu hohe Erwartungshaltung das Hörerlebnis trüben könnte. Trotzdem muss man kein Prophet sein, um zu ahnen, dass ein ganz großer Wurf im schwächelnden Deutschrap-Genre bevorsteht, sofern Curse seine neue Herangehensweise auch auf das gesamte Album angewandt hat.