"Ich habe meinen Vater umgebracht. Die Idee kam im Suff. (Ich schwöre es.)"
Mit diesen Worten beginnt "Freigang", Ulrich Woelks erster Roman, der von Kritik und Lesern freundlich aufgenommen, gar mit dem Aspekte-Literaturpreis bedacht wurde. Protagonist ist der Physiker Frank Zweig. Dessen Geständnis, seinen Vater ermordet zu haben, bringt ihn nicht ins Gefängnis, sondern ins Krankenhaus, in die Behandlung des Psychologen Früger. "Freigang" ist in vielen Aspekten Frischs "Stiller" sehr ähnlich. Beide fliehen vor ihrer Vergangenheit und versuchen, die eigene, subjektive Sicht ihres Lebens vor der objektiven, der Sicht der anderen, zu schützen. Und wie Stiller am Ende sein Leben, wie er es sieht nicht länger von dem Leben abgrenzen kann, das er aus Sicht Ander gelebt hat und lebt, so fließen auch in Zweigs Erzählung das Leben, das seiner Einlieferung vorausging, und das, das danach kam, immer weiter zusammen. Anders aber als Stiller behauptet Zweig eine Tat, die er nicht begangen hat, und sein Ziel ist eben nicht, sein zu können, wie er sein wollte, ohne sich sein Sein von anderen aufzuzwängen, sondern einfach nur, die eigene Vergangenheit anzunehmen und akzeptieren. So simpel, aber deswegen nicht weniger interessant und lesenswert. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)