Mich lässt dieser Roman ein wenig ratlos zurück. Julia de Groot, eine Frau von 36, hält ihr geordnetes Leben nicht mehr aus (zwei Kinder, ein Mann, der Pedant ist und eine Ehe, in der das Feuer nie wirklich hell gebrannt hat) und flüchtet Hals über Kopf von Amsterdam nach Portugal, um - wie sie es ihren Kindern gegenüber nennt - die Mauer um ihr Herz abreißen zu können. Dort mietet sie sich ein teures Haus, gerät an einen dunklen Gigolo (a la Will Smith, wie sie es nennt), mit dem sie endlich den Sex erlebt, von dem sie immer geträumt hat..........
Ihr Hauptproblem ist aber der Tod ihres Bruders, den sie nie verwunden hat und um den es ein Geheimnis gibt. Soweit finde ich den Plot nicht uninteressant und verstehe einige ihrer Aktionen. Auch die Aggressivität, mit der sie auf ihren Mann reagiert, ist meist nachvollziehbar und man erkennt, dass sie ein Mensch ist, der einfach nicht mehr kann und an einem Punkt angelangt ist, an dem sich etwas ändern muss.
Nur das, was sie in Portugal erlebt, auch ihre vielen Schönheitsoperationen, sind so überzogen, so unglaubwürdig, dass sie das Lesen manchmal zu einer Qual werden lassen. Auch die Dialoge, die sie mit ihrem toten Bruder hat, sind irgendwie unnotwendig und fade. So sehr ich ihre Sitaution nachvollziehen kann, so wenig verstehe ich das Verhalten der Hauptperson Julia ihren Kindern gegenüber. Das führt dazu, dass man sie nicht mehr ernst nimmt, was für die Hauptperson eines Romans nicht wirklich das Wahre ist.
Ihre Handlungsweise ist sprunghaft, sie pendelt zwischen besorgter Mutter (die man ihr aber bald nicht mehr abkauft), Vamp, absolut unsicherem Menschen und Angeberin wahllos umher und lässt den Leser ratlos zurück.
Manche Stellen im Buch sind sehr schön, dann wieder glaubt man sich in einem Groschenroman.
Das Buch ist aber auch keine leichte Kost, dafür sind die Themen zu ernst, die angeschnitten werden. Also nicht wirklich Entspannungsliteratur für den Strand, aber auch nichts Anspruchsvolles. Zu viele Themen werden aufgegriffen (Euthanasie, Alkoholismus, Sex, Drogen, Vergewaltigung, Raub, Ehealltag, ungelebte Träume und unbewältigte Schuld....), doch kaum etwas wird zu Ende geführt und geklärt.
Also Ratlosigkeit am Ende und das Gefühl, dass man dieses Buch nicht unbedingt hätte lesen müssen....................