FREIE HAND FÜR DE LUCA: Zwischen Fliegeralarm und Partisanen-Attentaten muss De Luca, der vor kurzem von der politischen Polizei zur Kriminalpolizei zurückgekehrt ist, einen Mord eines bekannten Frauenhelden auflösen. Die Indizien weisen auf allerhöchste Regierungskreise. Kurz und prägnant, doch nicht ohne Poesie erzählt der Autor den ersten Fall De Lucas, der nicht mehr als drei Tage (und etwas mehr als 100 Seiten) bis zur Auflösung in Anspruch nimmt. Das Lesen fühlt sich an wie ein kurzes, aber intensives Intermezzo. Die auf den ersten Blick nüchterne Erzählweise, hinter der sich jedoch viel mehr verbirgt, ist gewöhnungsbedürftig, aber auch faszinierend. Lucarelli führt den Leser ohne Einleitung in einen Dunstkreis aus politischen Machtkämpfen, Gestapomethoden und infiltrierten Polizeifunktionären, mit dem ich mich am Anfang etwas überfordert fühlte. Meine Empfehlung deshalb: Zuerst das Nachwort lesen, in dem einige politische Zusammenhänge erklärt werden.
DER TRÜBE SOMMER: De Luca ist auf der Flucht vor seiner eigenen Vergangenheit. In einem kleinen Dorf auf dem Weg nach Rom wird er aufgehalten und soll in einem Fall ermitteln, bei dem vier Personen in ihrem Haus umgebracht wurden. Zwischen Angst vor der eigenen Entdeckung und dem inneren und äußeren Zwang die Morde aufzuklären, versucht De Luca seinen eigenen Weg zu gehen. „Der trübe Sommer" ist wirklich trüb, denn obwohl der Krieg zu Ende ist, wird er überschattet von den unmittelbaren Nachwirkungen und „Aufräumarbeiten". Die alten Strukturen leben immer noch, wenn auch mit anders verteilten Machtpositionen. De Luca ist ein untypischer Protagonist, krank, gezeichnet von der eigenen Angst und Vergangenheit, kann er seine Scharfsichtigkeit jedoch nicht verbergen. Der eigentliche Kriminalfall steht jedoch eher im Hintergrund, die politische und soziale Lage bestimmen das Buch. Gespannt verfolgt der Leser das Schicksal De Lucas, der trotz oder gerade wegen seiner Schwächen zutiefst menschlich wirkt. In seiner nüchternen und doch berührenden Sprache beschreibt Lucarelli mit dem Schwerpunkt auf Dialogen das Verhalten und die Einstellungen der Menschen der damaligen Zeit. Wer die Sympathien des Lesers erhält, überlässt er jedem Einzelnen, und egal wie man beim Lesen empfindet, zurück bleibt ein beklemmendes Gefühl.