Um es gleich vorweg zu sagen: Dies ist ein einzigartiges Buch, das den Kern des Buddhismus sehr klar beschreibt. Viele, die trotz intensiver Meditationspraxis nicht die erhoffte Lösung ihrer Probleme fanden, werden mit diesem Buch ihre Schwierigkeiten besser oder vielleicht überhaupt zum ersten Mal verstehen.
Für Menschen hingegen, die sich noch nie mit Buddhas Lehren befasst haben, wird es wahrscheinlich nicht sehr verständlich sein, obwohl es in seiner Klarheit nichts zu wünschen übrig lässt. Unsere westliche Kultur bildet leider eine nur schwer zu bezwingende Barriere, die einem tiefen Verständnis des Buddhismus und damit auch unserer eigenen Probleme im Wege steht. Hierzulande gilt der Buddhismus als Religion. Doch seine wesentliche Lehre hat mit einer Religion rein gar nichts zu tun. Wer das nicht glaubt, sollte vielleicht doch dieses Buch lesen, denn es beschreibt den Kern von Buddhas Erkenntnissen.
Als Buddha unter seinem Baum saß, hatte er die Nase voll. Er wollte nicht wieder aufstehen, bevor er endlich die Ursache für sein Leiden gefunden hatte. So wie bisher wollte er nicht weiterleben. Er hatte alles, was es damals an spirituellen Lehren gab, ausprobiert. Und nichts hatte geholfen. Merkwürdigerweise sind viele Menschen auch heute genau in derselben Situation. Buddha kam schließlich die Erleuchtung.
Viele glauben, das war so eine Art religiöser Akt. Doch in Wirklichkeit hatte Buddhas Unterbewusstsein nur seine Aufgabe erfüllt. Das ist ein Vorgang, den jeder kennt, der schon einmal ein Problem mit sich herumgetragen hat, und dem plötzlich die Lösung einfiel. Buddha erkannte, dass es in Wirklichkeit kein Ich gibt. Diese Aussage ist scheinbar unverständlich, obwohl sie völlig klar ist. Ich schreibe diese Rezension, vielleicht liest sie ein anderer. Wie kann man da behaupten, dass es kein Ich gibt? Doch das ist nicht das Ich, das Buddha meint.
Buddha ging es nicht um die Form des Ich, sondern um seinen Inhalt, um all das, was seit unserer Geburt in uns hineingesteckt wurde oder schon drin war, unsere Konditionierungen, unsere Geschichte. Sie wirken wie ein Filter, der die Wahrnehmung der Wirklichkeit verzerrt, vor allem die über uns selbst. Dass dies so ist, kann man an vielen Beispielen sehen, die merkwürdigerweise nie wirklich hinterfragt werden. Interviewt man Zeugen eines schnellen Vorganges, dann erhält man in der Regel soviel unterschiedliche Beschreibungen, wie es Zeugen gab. Unser Verstand interpretiert und ergänzt unsere Wahrnehmung, er blendet Teile einfach aus und ergänzt Lücken durch eigene Geschichten. Vor allem aber schafft er die Illusion, dass wir von der Realität getrennt sind, die uns dann zustößt und gegen die wir aufbegehren, obwohl wir in Wirklichkeit Teil von ihr sind.
Das zentrale Anliegen des Buddhismus ist deshalb die Wiedererschaffung von Leere oder, verständlicher ausgedrückt, unsere Dekonditionierung, denn das Ich ist eine Illusion, die uns unser Verstand vorgauckelt. Doch unser Verstand, der uns in der Regel unbemerkt total beherrscht, steht dem trickreich und entschlossen im Weg. Deshalb versuchen viele ihn durch Meditationstechniken zu beruhigen und auszuschalten. Manchmal gelingt das, doch selten ist dieser Zustand von langer Dauer. Denn mit einer solchen spirituellen Praxis laufen wir gerne blindlings in die Ego-Falle, die unser raffinierter Verstand für uns aufgebaut hatte.
Das genau zu erklären, ist das eigentliche Anliegen dieses Buches. Es ist einfach absurd, das Ich dazu zwingen zu wollen, sich von sich selber zu befreien. Aber genau das macht man, wenn man beispielsweise mit einer Meditationspraxis Ziele verbindet, also für sich etwas erreichen möchte. Etwas mit einer Handlung erreichen zu wollen, ist jedoch das, was wir ständig versuchen, und was entsprechend in unserer Kultur des Strebens einen hohen Stellenwert besitzt. Der Verstand kennt unser Ziel und kann so die Illusion erzeugen, wir kämen ihm näher oder hätten es bereits erreicht.
Sich vom Leiden zu befreien und zu sich und zu wahrer Freiheit zu finden, bedeutet jedoch, sich erst einmal den eigenen Konditionierungen zu stellen, um sie dann loszuwerden. Daran führt auch keine Meditationspraxis vorbei. Wer also von diesem Buch erneut das Aufzeigen einer Methode oder eines Weges zum inneren Frieden erwartet, wird nichts Neues finden. Aber es erklärt auf einmalig klare Weise unser Dilemma, dem wir nicht entweichen können und uns deshalb stellen müssen, wenn wir zu wirklicher Freiheit gelangen wollen. Und das kann hart sein.
Der Autor sieht zwar auch den Weg der Stille über eine absichtslose Meditationspraxis. Doch er bemerkt dazu, dass selbst Buddha alles versucht hatte und nicht weiterkam. Schließlich saß er scheinbar ausweglos am Ende der spirituellen Sackgasse. Und erst dann, als er wirklich nicht mehr weiter wusste, kam ihm die Einsicht. Diesen Weg ist auch Smith gegangen. Und vielleicht hilft er nun dem einen oder anderen zu begreifen, worum es wirklich geht.
Der Text ist nach meinem Eindruck unterschiedlich gut geschrieben. Neben vielen Stellen von enormer und tiefer Klarheit, gibt es auch Passagen, die weniger deutlich sind, aber deshalb die einschneidende Wirkung des Buches nicht schmälern.
Fazit.
Dieses Buch erklärt den Kern des Buddhismus in einer seltenen Klarheit. Alles ist bereits da. Doch wir finden es nicht, weil wir meistens in einem Dilemma stecken, das der Autor immer wieder sehr deutlich beschreibt. Für viele Menschen, die sich bereits mit dem Buddhismus beschäftigt haben, kann dieser Text ein wahrer Augenöffner sein und das Ende der Selbsttäuschung herbeiführen.