Das Ziel des Buches ist es, dazu zu motivieren, Predigten und Vorträge nicht abzulesen, sondern frei und ohne schriftliches Skript zu halten. Eine frei vorgetragene Predigt bezieht die Zuhörer mit ein in die Predigt, ist offen das Wirken des Geistes auch während der Predigt und war jahrhundertelang der Normalfall in Kirchen und Gemeinden. Erst in den letzten 50 Jahren ist aus der"Rede" mehr und mehr eine "Schreibe" geworden.
Dem Autor geht es nicht darum, zu Gunsten der freien Rede an der Qualität der Predigt zu sparen. Stattdessen plädiert er für eine gute und ausführliche Predigtvorbereitung. Dazu zählen: eine gute Auswahl der Inhalte, eine sinnvolle Gliederung, Ausformulierung der Predigt in Sätzen oder Stichpunkten, Durchdenken der Inhalte und freies Halten der Predigt. Dabei ist die Vorarbeit (Inhalte finden und gliedern) enorm wichtig, um die Predigt frei zu halten. Erst im vorletzten Schritt, dem Durchdenken der Predigt wird die Predigt so verinnerlicht, dass sie später auf der Kanzel frei und ohne Skript gehalten werden kann.
Damit ist das Buch nicht nur interessant für Leute, die den Anspruch haben, frei zu predigen, sondern für alle, die gute Predigten halten wollen. Das Buch gibt viele hilfreiche Tipps zur Predigtvorbereitung, man merkt dem Autor an, dass er gern und viel predigt und jede Menge Erfahrung hat. Frei zu predigen ist letztlich eine Folge, die sich aus einer guten Vorbereitung ergibt. Der Autor will Mut machen, Schritt für Schritt die Angst zu überwinden und es zu wagen, frei zu reden.
Das Buch geht weniger auf den Inhalt einer Predigt ein, beschäftigt sich dafür umso mehr mit Form und Methodik. Ein Blick in die Geschichte der freien Predigt und ein Kapitel aus Spurgeons "Ratschläge für Prediger" ergänzen das Buch.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der gern und oft predigt. Obwohl ich schon einiges zum Thema "Predigen" gelesen und gehört hab, hat mich dieses Buch neu motiviert, in eine gute Predigtvorbereitung zu investieren und zu lernen, mehr und mehr frei zu reden.