Das ist es also, das dritte Album der einstigen sächsischen Chartstürmer. Nach einem überwältigendem Debut und einem sehr würdigen Nachfolger folgt ein Album, das auch nach Dauerhören nicht mehr als wohlgemeinte drei Punkte von mir bekommt.
Drei Dinge sind mir hierbei aufgefallen. Felix Räuber stößt stimmlich schon an seine Grenzen, die sehr hohen Töne sind anscheinend nicht seine Tonlage (bei Veljanow von Deine Lakaien war es auch so). Zum anderen klingt 'Frei' gnadenlos nach 80er Jahre Pop, aber nicht immer von der Sorte, die man damals gerne gehört hat. Vielleicht ist das von den Jungs ja auch ironisch gemeint und ich habe es nur nicht verstanden. Aber ich kann hier auch nur meine eigene Meinung wiedergeben und nicht die der anderen oder der Presse. Und last but not least: Bei 'Allein Allein' war der Mix zwischen den beiden Sprachen Deutsch/Englisch prägend. Aber auf 'Frei' wird damit inflationär umgegangen und es beginnt irgendwann ein wenig zu nerven. Dieser Kunstgriff wurde überstrapaziert.
Ich gebe zu, dass ich lange gehadert habe, ob ich meine Meinung so offen kundgebe, aber dafür sind meines Erachtens diese Rezensionen gedacht. Nur drei Punkte sind eben mager, aber dieser teilweise Bubblegumpop (siehe Deine Liebe), gibt momentan nicht mehr her. Mag sein, dass ich irgendwann meine Meinung dazu ändere.
'Colour of snow' war schon eine Richtungsanzeige. Doch das hier hätte ich nicht so erwartet. Die beiden ersten Songs fetzen so gar nicht in meinen Ohren, selbst die Single 'Unendliche Sinfonie' will nicht haften bleiben. 'Deine Liebe' ist für mich sowas wie der Song, den dieses Album überhaupt nicht gebraucht hätte. Das klingt wie ganz böse nach Bohlenbeihilfe. Ich bin in den 80ern groß geworden, aber so böse klangen sie nun nicht immer. 'Evergreen' läßt deutliche Anklänge an das Vorgängeralbum erkennen und mit 'Letting go' gibt es quasi den ersten Höhepunkt. Darin vereint sich alles Gute der ersten beiden Alben, diese scheinbar ungebändigte Kraft von 'Dreamdancer' und das traumtänzerische von 'Colour of snow'. Dann gibt es eine konzertane Pause um mit 'Sleep rocket' endlich zu sagen, he, wir sinds noch. Da ist Kraft dahinter und wenn ein Song wie die 80er klingt, dann dieser hier. Es geht nahtlos über in 'Dark and grey', um dann letztlich mit der 'Elegie' auszuplätschern. Und nach guten 36 Minuten fragt man sich, und nun?
'Allein allein' war und ist der Fluch der Band. Daran werden sie die meisten messen. Für mich war es nicht der Maßstab und ich hoffe, die sympathischen Sachsen werden ihre Kreativität wieder neu entdecken. Alle großen Bands haben schwache Alben herausgebracht. Es ist ja nicht so, dass dieses Album nicht hörenswert ist, aber in die Heavy Rotation wie die des Vorgängers kommt es definitiv nicht. Dazu fehlt ihm der Biss, dazu klingt es zu sehr nach den seichten 80ern. Es soll ja auch nicht alles wie das für mich geniale 'Dreamdancer' klingen.
Der große Wurf ist es nicht, aber danach können sie es wieder allen zeigen und wie einst Phönix aus der Asche steigen. Bis dahin müssen sie sich aber auch weniger gutmeinende Wort anhören müssen. Dennoch werden sie nicht 'Allein allein' sein. Dafür sind sie immer noch zu gut.