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Frei!: im Gespräch mit Daniel Schneidermann Der arabische Frühling und was er für die Welt bedeutet
 
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Frei!: im Gespräch mit Daniel Schneidermann Der arabische Frühling und was er für die Welt bedeutet [Taschenbuch]

Emmanuel Todd , Enrico Heinemann
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 96 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch (August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492274447
  • ISBN-13: 978-3492274449
  • Originaltitel: Allah n'y est pour rien
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,8 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 37.993 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Treffsichere Analyse.« Handelsblatt

Kurzbeschreibung

Emmanuel Todd hat es vorausgesagt: Der Islamismus ist am Ende. Die Revolutionen von Tunesien über Ägypten bis Libyen haben gezeigt, dass die arabische Welt viel moderner ist, als wir glauben. Anhand von Geburtenzahlen und Alphabetisierungsgrad wies Todd schon vor Jahren nach, dass die muslimischen Länder von den Werten des Westens unterwandert werden. Doch jetzt geht er weiter und zeigt, was der arabische Frühling für unser Verständnis von Demokratie bedeutet: Wie viel Freiheit braucht Europa? Welche Rolle will Deutschland in Zukunft spielen?

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Emmanuel Todd (Jahrgang 1951) ist ein französischer Autor. Er arbeitet am Institut National d'Etudes Démographiques. Des Weiteren war er - wenn man der französischen Wikipedia-Seite glauben will - Wahlkampfhelfer von Jacques Chirac einerseits und den Kommunisten andererseits. Mit Die unaufhaltsame Revolution: Wie die Werte der Moderne die islamische Welt verändern reagierte er auf Samuel Huntingtons berühmten Kampf der Kulturen: Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert. In Weltmacht USA: Ein Nachruf sagte er 2002 den Niedergang der USA voraus. Und bereits Mitte der 70-er Jahre beschrieb er in La chute finale : Essai sur la décomposition de la sphère soviétique den Zusammenbruch der Sowjetunion. Seine Analysemethoden sind anders, seine Denkweise sehr strukturiert, vor allem benutzt er in der Demografie übliche Parameter.

Das vorliegende Heft mit seinen 90 Seiten besteht zum größten Teil aus einem Gespräch des Teams der Webseite @rrêt sur images mit Emmanuel Todd. Daneben erhält man ein kurzes Vorwort von Todd selber sowie eine Hintergrundanalyse zur Entstehung des Gespräches von Daniel Schneidermann, der die Fernsehsendung arrêt sur images des französischen Senders France 5 präsentiert. Abgerundet wird das Heft mit einem Gespräch zwischen Schneidermann und Todd.

Bevor ich den Inhalt skizziere eine Vorwarnung: zwar sind die Gedanken von Todd interessant, aber - und das ist ein großes ABER - sie werden nicht durch Studien oder andere Dokumente belegt. Das ist nicht weiter verwunderlich, da es sich um ein Gespräch handelt. Wer mehr wissen will, dem sei deswegen insbesondere Todds Buch über die UNAUFHALTSAME REVOLUTION empfohlen.

Es gibt zwei Parameter, die für die Analysen von Todd wichtig sind: die Alphabetisierung und die Geburtenrate.

Als gemeinsame Konstante zwischen den westeuropäischen Revolutionen des 16., 17. und 18. Jahrhunderts sowie der iranischen Revolution in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, erkennt er die Alphabetisierungsrate. "Wenn man schreiben und lesen kann, kann man ein Flugblatt lesen und sogar eines schreiben." Warum die iranische Revolution vor den anderen erfolgte, erklärt er zudem durch das dort vorherrschende Schiitentum, welches sich durch zwei grundlegende Dinge auszeichnet. Die Erkenntnis, dass die Welt ungerecht ist, und die Bereitschaft zur Diskussion um die Schrift, um diese auszulegen. Heute ist die iranische Frage seiner Meinung nach jedoch keine religiöse Frage mehr, sondern eine Nationalistische. Dass die Religion an Bedeutung verloren hat, soll eine Folge des Geburtenrückgangs sein. Die iranische Geburtenrate liegt bei 2 - so sagt er.

"Wenn man die Iraner in Ruhe gelassen hätte, wären sie die erste große Demokratie des Nahen Ostens geworden." (28)

Emmanuel Todd widerspricht dem Gedanken, dass die momentane iranische Protestbewegung gegen das Regime Ahmadinedschad dem entspricht, was in anderen nordafrikanischen Ländern passiert. Politisch sei der Iran der arabischen Welt um 30 Jahre voraus. Momentan befindet sich das Land schlichtweg in einer postrevolutionären Phase mit den üblichen Rückschlägen. Seine Prognose: Die Iraner schaffen es!

Kritisch sieht Emmanuel Todd hingegen Länder mit Ölrente. Womit er die Staaten meint, welche aufgrund ihrer Ressourcen nicht von der Bevölkerung abhängig sind. Die Regierung finanziert sich nicht über Steuern, sondern kann sich unabhängig von der Bevölkerung alle Waffen und Söldner leisten, die zur Unterdrückung notwendig sind. Als Beispiel nennt er Libyen, wobei seine Aussagen hier aufgrund der Ereignisse des letzten Jahres überholt sind. Den Kern des Problems sieht er in Saudi-Arabien. Veränderungen sind schwierig durchzusetzen, da der Staatsapparat in diesem Land hinterher hinkt.

Daneben analysiert der französische Autor die Familienstrukturen und erklärt ihre Bedeutung für die heutige Welt. Die im arabischen Raum eher übliche endogame Ehe, die vor dem Hintergrund einer patrilinearen Gesellschaft den Frauen Schutz bietet. Man hört davon kaum in den Medien, aber als Demograf kennt Todd natürlich die Zahlen: in den arabischen Ländern sind beispielsweise Kindermorde an weiblichen Säuglingen vollkommen (!) unbekannt. Das ist natürlich schon eine gewagte Formulierung. Ganz anders zB in China. Dort hat die gezielte Abtreibung von weiblichen Föten lt. Todd stark (!) zugenommen. Er sieht China noch nicht wirklich in der Moderne angekommen.

Für Deutsche am schwersten zu verdauen sind wohl seine Aussagen über das egoistische Deutschland. Ausgehend von familiären Werten analysiert Todd die demokratische Entwicklung und erläutert Parallelen: die traditionellen Familienstrukturen in Deutschland, Ruanda und Japan ähneln sich zum Beispiel indem sie als Wert die Ungleichheit zwischen Brüdern betonen. Die Regel des männlichen Erstgeburtsrechts. Dieser Wert der Ungleichheit und der Autorität führt bei Ideologien des Übergangs dazu, dass "die Hierarchie und eine gesellschaftliche und rassistische Rangordnung im Vordergrund standen." (73) Länder, in denen alle Kinder als gleich definiert werden (Frankreich, Russland, China), sind geprägt durch kommunistische Revolutionen.

"Wenn die Brüder ungleich sind, sind es auch die Menschen und Völker." (74)

Im Falle von Deutschland hat Todd Bedenken zur weiteren Entwicklung, wagt sogar die Behauptung, dass es momentan dabei ist, "sich aus dem Lager der westlichen Demokratien zu verabschieden ..." (78) Deutschlands Verhältnis zur Universalität und zur Freiheit sei immer noch anders. Es sei keine echte Wettbewerbsdemokratie, es bevorzuge große Koalitionen ... so ganz konnte ich seinen Ausführungen hier nicht folgen. Insbesondere als er den Nicht-Beitrag von Deutschland in der Unterstützung der libyschen Operation erwähnte. Ein Schmunzeln entstand jedoch, als er meinte, eines wäre phantastisch, daß ... die Fußgänger häufiger bei Rot über die Straße gingen. Eines der Kriterien für die von ihm genannten 'Stammgesellschaften', also Gesellschaften, die einen Hintergrund in der Stammfamilie haben. Auf lange Sicht gesehen könne dies bedeuten, dass das deutsche Familiensystem seine strukturierende Macht verliere. Das ist jetzt natürlich etwas provozierend aus dem Zusammenhang genommen. Leider fehlt es auch hier wie oben erwähnt an Quellenhinweisen/Studien. Interessant sind seine Gedanken zu den verschiedenen Ländern jedoch allemal.

Deswegen:
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