Um Mitternacht die Freiheit- Larry Collins & Dominique Lapierre In 560 Seiten beschreibt das Duo Collins- Lapierre die Geschehnisse am und um der Unabhängigkeit Indiens. Aufgrund der Lebendigkeit kann man das Buch ein Polit- Thriller der extra klasse bezeichnen, denn historische Fakten werden unter der Feder der beiden Journalisten zum fesselnden Roman, greifbar und einfühlsam beschreiben sie die Ereignisse. Die Protagonisten der Unabhängigkeit - Mahatma Gandhi, Nehru (erster Premier Indiens), Jinnah (Gründer Pakistans), der letzte Vizekönig Indiens Lord Mountbatten, seine Frau und viele andere, Prominente, Maharajas, und die vielen unbekannten Helden der indischen Masse, die mitwirkten Indien zur Freiheit zu verhelfen- werden ausführlich in Portraits skizziert. Episoden, Gespräche, Gewohnheiten, selbst einige intime Details ergänzen das öffentliche Bild zu einem Ganzen und lassen verstehen, dass hinter allen großen politisch- historischen Ereignissen, die Persönlichkeit der zentralen Figuren eine nicht unerhebliche Rolle spielt.
Wie eine Kamera, schwenken die beiden Autoren den Fokus von einer Szene zu anderen. Vom "Gateway of India" im Bombay der 70er Jahren, an dem Hippies und andere Gestalten abhängen, richtet sich der Blick auf Großbritannien der 40er Jahren. England, das im 2. Weltkrieg Hunger leidet, beherrscht zu diesem Zeitpunkt fast die ganze Welt. Doch Indien- das Juwel der Britischen Krone, drohte aus derselbigen zu entfallen. Wie ein Märchen aus 1001 erscheint das extravagante Leben der Maharajas und der Kolonialherren, welches von den Autoren geradezu genüsslich geschildert wird, samt pikanter Enthüllungen, die sich die Großkönige vor lauter Langeweile und Reichtum gerne gönnten.Zum Beispiel,daß ein Vertreter dieser beonderen Spezies Kameras in den Badezimmern seines Palastes installierte, um seine Gäste bei intimen Tätigkeiten zu beobachte... dies ist jedoch nur einer der vielen Skandale der indischen Könige. Gut recherchiert würzen Journalisten mit vielen Anekdoten und Komik den Tatsachenroman, und beweisen somit Geschick fürs Detail. Und mit gleichbleibender Detailtreue und Erzähl-Talent wird auch der Exodus der Teilung beschrieben. Collins und Lapierre schildern diese grausamen Ereignisse erbarmungslos mit einer Intensität, die geradezu plastisch wirkt, und machen so bewusst, welche Tragik die Teilung beiwohnte. Verstärkt wird diese Intensität durch die Beschreibung von Einzelschicksalen, die einen zu Tränen rühren. Wie ein Kriminal Bulletin hingegen ließt sich die Rekonstruktion von Gandhis Mord, und gerade hier kommen interessante Fakten zu Tage, die vollkommen unbekannt sind. Als begeisterte Leserin habe dennoch eine Kritik zu vermerken- und zwar das ausgerechnet Lady und Lord Mountbatten die einzigen Personen sind, die quasi mit Samthandschuhen angefasst , und fast unkritisch unter die Lupe genommen werden. Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass Lord Mountbatten einer der wenigen lebenden Zeitzeugen waren, der bedeutende Informationen zu den damaligen Ereignissen liefern konnte. Das eigentlich bemerkenswerte am Stil der beiden Autoren ist, wie sie sich in die einzelnen Charaktere und der gesamt Situation einfühlen können, sie zeigen auf das gerade Politik auf Emotionen basiert und nicht immer neutral und gefühllos betrieben wird, es recht nicht solche großen Ereignisse, die die Weltgeschichte umwälzten.
Zusammenfassend ist es also ein sehr lesenswertes Buch für alle die sich für Indien interessieren, doch nicht nur für sie. Am Ende ist eine kleine Zeitleiste aufgeführt, die den Überblick auf die Geschichte Indiens erleichtert, zudem gibt es viele interessante Photo, wie z.B: Portraits der wichtigsten Persönlichkeiten und viele andere.