Inhaltlich ist "Freddy Mercury - Ein intimer Einblick von dem Mann, der ihn am besten kannte" ein sehr interessantes, spannend zu lesendes Buch. Eine gute Werbung für das Handwerk des Buchbinders ist diese Ausgabe allerdings nicht, die Seiten müssen mit Kraft aufgehalten werden, was sowohl Nachteile für die Langlebigkeit des Buchs als auch für den Lesespass mit sich bringt.
Die Farbfotos sehen allesamt sehr, sehr gay aus. Männer mit Schnurrbart beim Feiern. Ausnahmen bilden Aufnahmen von einem Videodreh für Queen, sowie ein Bild, dass Mercury im Bett mit zwei seiner geliebten Katzen zeigt.
Peter Freestone und David Evans haben keine Freddy Mercury Biographie geschrieben. Behandelt werden lediglich die letzten 12 Jahre des Queen-Sängers. Mitunter wiederholt sich Freestone. Das Mercury ungeduldig war und nie die Ruhe fand ein Buch zu lesen wird zwei Mal erwähnt. Wenn Freddy las, dann nur den Spartacus Guide und Auktionskataloge. Neben sehr vielen, detaillierten Beschreibungen von Freddy Privatleben finden sich auch reichlich Informationen über Konzerte, Videodrehs und Studioarbeit von Queen. Das Leben von Mercury schien sich, so liest sich dieses Buch zumindest, im wesentlichen um Musik und Besuche von Schwulenbars zu drehen. New York, München, Japan, Antiquitäten, Shopping, spanische Opernsänger, weibliche Filmstars aus Hollywoods goldener Ära, Sex und Drogen, grosszügige Geschenke an Freunde - das waren weitere Vorlieben Mercurys.
Amüsant ist die Schilderung eines Besuchs bei Michael Jackson. Mercury brachte Jackson in Verlegenheit, als er ihn fragte, ob er in dessen Haus rauchen dürfe. Michael hatte nichts dagegen, war aber peinlich berührte, weil er keinen Aschenbecher besass. Als Mercury Jackson fragte, warum dieser auf einer Matratze, die auf dem Boden lag, schlief, antworte Jackson, dass er gerne nahe der Erde liegen würde. Mercury merkte an, dass sich Jacksons Schlafzimmer aber doch im 1. Stock befinden würde. Zugegeben, kein weltbewegendes Ereignis, aber eben auch nur eines von zahlreichen, unterhaltsamen Anekdoten aus diesem Buch. Detaillierte Auflistungen von Freddy Einrichtungsgegenständen und dem umfangreichen Make up vor den Queen Aufritten und der Wahl des richtigen Outfits (bei kleinen Gigs wird schwarz getragen, bei grossen Auftritten weiss). Grosse Gesten, starkes Make-up, damit trotz des grellen Scheinwerferlichts die Zuschauer trotzdem die Mimik Mercurys sehen konnten. Die Queen von Queen liebte den grossen Auftritten. Wenig überraschend, dass er mit Punk und Künstlern, die trotz fortgeschrittenen Alters, wie Stones und Elton John noch immer auf der Bühne standen, nicht einverstanden war. Freddy wollte die perfekte Inszenierung.
Freestone schreibt, dass es ihm ein Bedürfnis war, den wahren Künstler und Menschen Freddie (er soll es gehasst haben Fred genannt zu werden, wie es die Roadies gerne, aber sein engstes Umfeld niemals tat) Mercury zu zeigen. So wird etwa klargestellt, dass The show must go on" kein Abschiedlied von Freddy war, der Text wurde nicht von ihm geschrieben. Freestone meint, dass Mercury, trotz all seiner leidenschaftlichen Liebeslieder, selbst nie die Liebe seines Lebens fand, statt dessen fand er platonische Liebe bei seinen Freunden. Sex sei sein Ausgleichsport, seine Entspannug gewesen, so Freestone.
Ein sehr interessantes Porträt eines Menschen, der nicht nur sang "I want it all and I want it now", sondern der auch genau so lebte, der Ja-Sager verachtete, der schüchtern und sensibel war und einer der charismatischsten Sänger in der Geschichte der Rockmusik war. Ohne Queen hiesse Frau Germanotta heute nicht Lady Gaga. Gut auch, dass sich nicht der ursprüngliche Arbeitstitel des Songs durchgesetzt hat: Radio Ca Ca. Würde aber auch irgendwie passen zu Lady Gagas scheinbar kindlich-naiven Inszenierung.
422 Seiten, Farbfotos, Übersetzung: Sid Peghini, Bosworth 2010