Das ist so eine Sache mit Informationen, die man aus erster Hand an die Öffentlichkeit verfüttert. Das Buch hat bei mir lange Zeit im Bücherschrank geschmort, bis ich es nun doch rausgefischt habe; innerlich gewappnet gegen die Zerstörung des Mythos Freddie Mercury. Als ich das Buch wieder zuklappte, musste ich zugeben, dass mein Bild sich geändert hatte (oder sagen wir - bunter geworden ist), aber es war nicht zerstört - im Gegenteil. Jim Hutton war Freddie Mercurys große Liebe, mit der er die letzten, fast sieben Jahre seines Lebens zusammenlebte. Jim schildert uns episodenhaft, was in seinem Gedächtnis davon noch hängen geblieben ist: die Kaufräusche in Japan, die Liebe zu handwerklicher Kunst Marke Eigenbau, die Liebe zu ihren Katzen, die Mammut-Auftritte von Queen, Freddies Zusammenarbeit mit Montserrat Caballe. Nebenbei blitzt Freddies ungeduldiges, manchmal Divenhaftes Wesen auf, seine Begeisterungsfähigkeit, seine Großzügigkeit.
Die deutlichsten Erinnerungen bewahrt Jim Hutton an die letzten drei Monate im Leben des Freddie Mercury. Eigentlich wollte ich das gar nicht im Detail wissen, aber dankbarer Weise wird hier nicht auf die Tränendrüse gedrückt, sondern im Schock verharrt.
Jim Hutton ist ein einfacher, sympathischer Mann, und ebenso ist sein Schreibstil - unsortiert, in Zeit und Gedanken springend. Ich bezweifele, dass er Freddies Genie je auch nur annähernd verstanden hat. Aber er hat Freddie glücklich gemacht, und das ist letztendlich alles, was zählt. Es tut weh, dass er am Ende nicht das bekommen hat, was er verdiente.