Tja, schwer zu sagen, warum die Scheibe nicht mehr Aufsehen erregt hat. Vielleicht, weil es einfach furchtbar uncool war, 1995 Kansas für gute Musik zu halten? Oder weil vielleicht doch das eine oder andere Stück zu banal ausgefallen ist? Ein gutes Maß an Pathos hatten Kansas immer im Gepäck, aber zu Glanzzeiten von Kerry Livgren wurde es stets in epische Rocksongs hoher Güte umgesetzt. In einem Interview meinte Steve Walsh, er wisse auch nicht recht, warum das Album nicht besser ankam, weil er "normalerweise fühle, wenn die Band etwas Gutes abgeliefert hat", was er wohl in diesem Fall für gegeben hielt. Auf Freaks Of Nature sind es eher die knackigen, packenden Nummern wie Desperate Times oder das Titelstück, die voll überzeugen. Erwähnen sollte man auch den Opener, I Can Fly, welcher mächtig abgeht. Die Geige kommt gewaltig daher (gespielt von Neumitglied Dave Ragsdale) und die Stimme hat immer noch die ungemeine Wucht wie früher. Zumindest im Studio! Ich hatte nämlich die Gelegenheit, Kansas 1993 live zu bewundern und mußte entsetzt feststellen, dass Steve Walsh offenbar den Stimmbruch erneut durchmachen musste (was noch die harmloseste Erklärung war, die mir einfiel, angesichts des bedauernswerten Gekrächzes).
Fazit: Wer von den Kansas der 80ern enttäuscht war (obwohl sie live mit Steve Morse durchaus überzeugen konnten), der sollte ihnen mit diesem Album eine neue Chance geben. Die Band hat sich auf das besonnen, was sie am besten kann.
Übrigens, das Folgealbum Somewhere To Elsewhere zeigt, was Freaks Of Nature gefehlt hat, um vielleicht doch einzuschlagen: Kerry Livgren!