Joey Goebel erzählt die Geschichte der "Freaks", einer in ihrer Besetzung recht ungewöhnlichen Band aus Kentucky, aus ständig wechselnden Perspektiven. Jeder Absatz gibt in der Überschrift an, aus wessen Sicht er erzählt wird. Dabei werden auch vermeintliche Statisten zu Erzählern. Immer wieder lässt Goebel Außenstehende die Hauptfiguren beobachten ein kleiner Kniff, um seine kuriosen Hauptfiguren auch immer wieder aus der Distanz betrachten zu können. Durch die ständigen perspektivischen Sprünge liegt dem Roman ein recht hohes Tempo zugrunde. Die Geschichte entwickelt sich mit einiger Dynamik und die perspektivischen Wechsel sorgen für eine gewisse Spannung, denn teils bekommt man erst durch das Zusammensetzen der unterschiedlichen Beobachtungen und Gedanken ein vollständiges Bild der Geschehnisse.
Auf den ersten Blick mag "Freaks" wie ein oberflächlicher Unterhaltungsroman erscheinen. Die Figuren wirken allesamt zu abgedreht, um realistisch zu erscheinen. Vielmehr polarisieren sie, stellen jeder für sich ein eigenes Extrem dar und erfordern auch beim Leser ein gewisses Maß an Toleranz. Goebel formuliert vor allem aber gewitzt und mit einer gewissen Ironie. Immer wieder kann man über komische Situationen und sonderbare Gespräche schmunzeln, die stets auch ein Stück weit den Geist der Zeit einfangen und die gesellschaftliche Situation portraitieren. Und darüber mag man den Protagonisten so manche Abgedrehtheit verzeihen.
Verglichen mit Goebels zuletzt veröffentlichtem Werk "Vincent" wirkt "Freaks" dennoch nicht ganz so ausgereift. Man merkt deutlich, dass "Freaks" dem Ursprung nach schon ein etwas älteres Werk ist. Mit "Vincent" hat Goebel sich schon erheblich weiterentwickelt. Mag manches an "Freaks" noch etwas kindisch wirken, auch wenn Goebels Talent zwischendurch immer wieder zwischen den Zeilen hindurchfunkelt, so wirkt "Vincent" eben schon ein ganzes Stück ausgegorener.
FAZIT: Etwas schwächer als "Vincent", aber dennoch durchaus liebenswert, gewitzt und unterhaltsam. Und obendrein einer der schönsten Romananfangssätze seit langem: "Leicht war es nicht, sechs Milliarden gebrochene Herzen auf einmal zu flicken, doch ich schaffte es."