...habe ich mir mal diesen Titel, da ich die meisten Freak-Comix kenne, sie in den vergangenen 25 Jahren allerdings in unterschiedlichsten Ausgaben erschienen sind. Deshalb wollte ich eher eine allgemeine Meinung zu den Chaotenbrüdern aus den Sixties abgeben, als dieses spezifische Produkt zu besprechen. Im Grunde kann man ihre Abenteuer fast alle empfehlen, solange sie von Gilbert Shelton gezeichnet wurden. Bei den Übersetzungen sollte Gerhard Seyfried federführend sein, dann hat man die meist kongenialen deutschen Fassungen, die sich lohnen.
Shelton nimmt die Hippiegegenkultur der 60er Jahre mit all ihrem Drogenkonsum, der Musik, den Freiheitsidealen und der immanenten Spießigkeit dieser Szene auf die Schippe, ist ihr jedoch verbunden, da er ihr entstammt. Das bedeutet, daß seine Beobachtungen, bei aller Häme, die sie manches Mal haben, auch immer sehr liebevoll ihre Stärken und Schwächen aufzeigen. Und immer sind sie sehr, sehr lustig. So kreisen die Abenteuer immer um die drei Brüder (die mal welche sind, mal nur "Brüder im Geiste") Phineas, Freewheelin` Frank und Fat Freddy und dessen Katze (deren Klo sich hauptsächlich in einem der nachts abgestellten Stiefel der drei befindet). Dabei ist Phineas der Intellektuelle, der wie eine Mischung aus Karl Marx und Jerry Garcia (der UNTER GARANTIE eine Vorlage für Sheltons Figuren war) wirkt, Frank ist der Großstadtcowboy, cooler Stetson, cooler Zopf, cooler Schnautzer, coole Weste, meistens schlechte Laune, Fat Freddy schließlich ist ein Proll, wie er im Buches steht, IMMER auf der Suche nach der nächsten Dröhnung und dabei bereit, ALLES auszuprobieren...
Je länger es her ist, daß ich als 17jähriger auf meinem Bett rumlag und mich kaputt gelacht habe, desto mehr wachsen mir gerade diese Dinge, wie die Comix von Shelton, aber auch die von Robert Crumb oder Dave Sheridan, wieder ans Herz, waren sie doch damals schon Relikte einer vergangenen Zeit, die aber zumindest noch spürbar war. Heute, in Zeiten von Mangas und rechnergestützten Zeichnungen, wirken diese oftmals in schwer bedröhntem Zustand mit Bleistift oder Kugelschreiber auf ganz einfachem Papier entstandenen so out of time, daß sie fast schon wieder schick sind. Kult sind sie alle mal (und ich meine echten Kult - im Underground gewachsen, nonkommerziell und per Mund-zu-Mund-Propaganda bekannt geworden, nicht per Werbung oder vom Urheber zu selbigem erhoben).
Ich kann nur sagen, daß man bei den Freaks recht unproblematisch in die große Kiste greifen kann, gute Strips sind immer dabei! Man lese sie, man liebe sie, sie haben es verdient, noch lange einer Fangemeinde vorzustehen (wie die Zeiten, für die sie stehen...auch wenn sie nicht unbedingt DIE Botschafter sind, die man für eine gute Sache braucht, Mühe geben sie sich immer;-))