Dieses Buch ist in der Kombination der Betroffenen und der studierten Ethnologin wahrscheinlich einzigartig. Bewundernswert wie die Autorin, selbst Insassin und Sklavin im KZ, nach geraumer Zeit dort die Idee entwickelte, diesen ihren Aufenthalt als "Studienobjekt" zu betrachten - sicherlich eine ihrer persönlichen Überlebens- und Verarbeitungsstrategien.
Immer wieder beschreibt sie abwechselnd, den "Alltag" des Grauens aber genauso die Solidarität unter den Frauen und die Möglichkeiten, die sie sich zu Nutze machten diese unvorstellbare Grausamkeit auszuhalten.
Einerseits analysierend im Detail, andererseits die politischen Zusamenhänge im Groben darstellend, dann wieder Zitate anderer Mithäftlinge dort sowie Berichte über die Prozesse nach dem Krieg, denen sie selbst als Delegierte beiwohnte. Tillion arbeitete über 4 Jahrzehnte an diesem Buch integrierte nach und nach immer weitere Erkenntnisse.
Und sie stellt genauso den teilweise überhöhten Patriotismus der eigenen französischen Landsleute dar. Aber eben auch die Kraft des Widerstandes, selbst unter den fürchterlichsten Bedingungen.
Schon allein durch die Klarheit ihrer Sprache macht Tillion einerseits deutlich, dass "Sklaventum" in vielen Kulturen und Zeiten herrscht(e) und dann benennt sie die besonderen Kennzeichen, Merkmale, Vorgehensweisen und Strukturen dieser besonderen erschütternden Epoche in Europa. Sie ist eindeutig politisch und erklärt auch differnziert die kapitalistischen Interessen bestimmterer Täter.
Auch die Gefühle beschreibt Tillion authentisch hautnah.
Ich weiß nicht ob es treffend ist, ihr selbst Humor zu unterstellen, wenn sie groteske Wahrheiten bloßlegt, z.B. indem sie aus ihrer im KZ verfaßten Operette zitiert.
Ein lesenswerter, sehr intelligent verfaßter Titel.
Soweit mir bekannt ist lebt Germaine Tillion inzwischen 99 jährig in Frankreich.(2006)