Die Kritiker und vor allem die Kritikerinnen von John Gray werfen dem begnadeten Psychologen, Bestsellerproduzenten und Marktingfachmann vor, er zementiere vor allem den Status quo. Doch das scheint mir allzu kurz gegriffen. Denn wenn man die Fallgeschichten in seinen vielen Büchern aufmerksam liest, möchte er seine Patienten tatsächlich emanzipieren. Aber erstens tut er das auf amerikanische Art, und zweitens müssen Veränderungen noch immer selber vorgenommen werden. Ich meine, dass die Kritiker beiden Geschlechts John Gray eine Aufgabe übertragen wollen, die er weder leisten kann, noch will. Seine Stärken bestehen im Beobachten und Vermitteln. Darin ist er ein Meister, dessen Handwerk eben nur wenige so gut beherrschen wie er. Wer sein Spiegelbild nicht mag, sollte nicht den Spiegel für das Abbild verantwortlich machen. Und schliesslich zwingt uns niemand, alles von Gray Gesagte zu glauben. Doch man muss nicht alles Bücher von Gray lesen, um Frauen und Männer besser einschätzen zu können. Seine atembraubende Produktion ist ein Angelegenheit des Marketings. Wer ihm auf den Leim geht, ist selber schuld.