Drei Frauen wollen den Männern, ihren verblendeten Geschlechtsgenossinnen und dem Literaturbetrieb überhaupt ein Schnippchen schlagen und einen Bestseller schreiben, der die "moderne Frauenliteratur" auf den Arm nimmt und damit der ganzen Medienbranche einen Spiegel vorhalten. Die Anlage der Story klingt gut und vielversprechend, leider ist aus "Frauen lügen besser" auch nichts anderes als ein weiterer der verspotteten modernen Frauenromane geworden.
Henriette (Journalistin, 65, eine Art "schrille Alte" mit rotgefärbten Haaren, schwarzem Overall, Baskenmütze und einem Stammplatz an der Theke ihrer Lieblingskneipe) wird von ihrer Zeitschrift entlassen, weil sie nicht mehr cool und zeitgemäß genug ist und in ihren Artikeln politisches Bewusstsein vermitteln möchte und viel zuviel Zeitkritik übt; Anna (ihre Nichte, Mitte Dreißig, Lektorin mit Spezialgebiet Lebenshilfe- und Frauenliteratur, Produkt einer unglücklichen Kindheit, die sie nahezu bindungsunfähig macht, verliebt in ihren Chef Thomas) ist frustriert wegen ihrer aussichtslosen Liebe, den albernen Lebenshilfebüchern, die sie von ihrer Bestsellerautorin ständig präsentiert bekommt und dem Leben überhaupt. Sigi (Stenzl, Mitte Zwanzig, bildschön aber ungebildet, da sie nie über die Hauptschule herausgekommen ist. Sie jobbt zu Beginn der Geschichte in der Saftbar eines großen Kaufhauses. Mit Männern hat sie keine besonders guten Erfahrungen gemacht, aber sie ist durchaus in der Lage mit ihnen fertig zu werden. Dennoch träumt sie von der großen Liebe, die sie in Thomas gefunden zu haben glaubt) ist ebenfalls frustriert, weil Thomas sie ziemlich unfreundlich abserviert hat, obwohl sie sich doch so anstrengte, ihren Horizont zu erweitern. Aber dabei ist sie Thomas eben zu sehr auf die Pelle gerückt, was der wiederum nicht ertragen konnte. In dieser Stimmung begegnen sich die drei und hecken einen Plan aus - d.h. eigentlich heckt Anna ihn aus, Henriette und Sigi brauchen nur noch mitzuspielen. Henriette schreibt einen Bestseller (einen neuen deutschen Frauenroman natürlich), für den nach außen hin Sigi als Autorin lanciert werden soll (Henriette würde in ihrem Alter einen solchen Roman in keinem Verlag mehr an den Mann bringen können) - und kurz vor der Veröffentlichung wollen die drei die Bombe platzen lassen und so den arroganten Vertretern des Literatur- und Medienbetriebs den Spiegel vorhalten.
Die Idee ist wirklich klasse - wenn da nicht die Entwicklung der Handlung wäre, die zwar nicht ganz so haarsträubend ist wie in Henriettes Produkt, aber eben doch genau so, wie der durchschnittliche "moderne Frauenroman" - und daher, trotz allem Lesespaß halt doch recht vorhersehbar.
Ich finde, die Autorin hat viele Gelegenheiten verschenkt, wenigstens ein bisschen mehr Anspruch in ihren Roman zu bringen - aber das will sie wohl auch nicht. Er soll unterhalten - das tut er. Er soll spannend sein - das ist er auch, halbwegs jedenfalls. Er soll Spaß machen - auch das tut er, wobei ich die häufigen Seitenhiebe auf den Medienbetrieb besonders lustig fand (z.B. folgendes Zitat: "Deutschland besitzt neuerdings eine schreibende und Opern singende Garagenbesitzerin. Nun senden alle Frauen, die ein Stimmungslied singen können und ihr Auto in einer Tiefgarage parken, dicke Manuskripte ein." Dieser Seitenhieb gegen Hera Lindhat mir nun wiederum gut gefallen! - Oder der Auftritt der alterslosen, wenngleich bereits über 50Jährigen Schauspielerin Angie Maas, in der unschwer Uschi Glas wiederzuerkennen ist.).
Alles in allem ist "Frauen lügen besser" trotz aller kritikwürdigen Punkte ein locker und gut geschriebener "moderner Frauenroman" mit dem man durchaus ein paar angenehme Lesestunden verbringen kann, der einen aber auch nicht vom Hocker reißt.