Ist es das, was uns Frauen dazu bewegt, sich ein Refugium zu schaffen? Einen Raum ganz für sich allein, einen Rückzugsort - eine Zuflucht - Kinder, Männer und Eltern bitte draußen bleiben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig die Möglichkeit ist, sich zurückziehen zu können. In einer Familie herrscht meist Trubel - wenn noch die Freunde der Kinder da sind und das Haus voll ist, wird es heftig ... Immer da sein für andere, immer ansprechbar? In einem Refugium kann die Maske der Verbindlichkeit fallen, die oft im Beruf und manchmal auch im Bekanntenkreis aufgesetzt werden muss.
Einen Ort nur für sich einzurichten war über die Jahrhunderte hinweg ein Privileg weniger mächtiger Frauen. Durch die stark individualisierte Gesellschaft gewann ein eigener Raum überhaupt an Bedeutung. Je mehr Frauen heute in der Außenwelt wirken, um so wichtiger ist es für sie, sich auch zurückziehen zu können. Dieses Buch stellt in sehr gelungener Form die privaten Rückzugsräume von 21 aktiv im Leben stehenden und namhaften Frauen dar. Darunter sind z.B. Nina Ruge, Elvira Bach, Senta Berger und Nadja Uhl, um nur die bekanntesten zu nennen. Aussagekräftige Fotografien sowohl zu den Räumen als auch zu den Personen geben Einblicke in deren Privaträume.
Da gibt es helle, lichtdurchflutete oder farbenfroh-grelle Räume, viel Platz oder nur eine Kuschelecke, vollgestopfte oder spartanisch, mit einfachen Holzmöbeln oder mit gestreiftem Biedermeiersofa eingerichtete, mit Seegrastapete oder überdimensionalen Gemälden, mit Meissner Figuren oder toskanischer Katze oder mit meterhohen Bücherregalen bestückt ... ein expressionistischer Turnsaal, eine ganze Villa oder nur eine kleine Empore. Die Ansprüche und auch die Mittel sind verschieden, aber der Zweck ist bei allen gleich: Raum für sich selbst schaffen. Da gibt es ein japanisches Teehaus, ein Farbzimmer, einen Lesesalon, ein Gartenhaus, ein Erkerzimmer, ein Haus auf Sylt, ein 550 m² großes Atelier, eine blaue Wohnung, ein Landhaus, einen alten Bäckerladen, eine alte Schlossküche und ein schwarzes Zimmer.
21 Frauen haben Einblicke in ihre Privaträume gestattet, die für interessierte Frauen Anregung und Inspiration sein können. Die Texte der Autorin Stefanie von Wietersheim sind gut zu lesen und ergänzen die gelungenen Fotografien von Claudia von Boch gekonnt. Schön finde ich auch den Abschluss jeden Berichts mit der kleinen stichwortartigen Zusammenfassung: "Stunden der Kraft/ Ruhe und Glück finde ich ...". Da gibt es viele verschiedene Möglichkeiten.