Der Widerstand gegen Hitler - in allen Facetten wurde er niedergeschrieben, von vielen Seiten beleuchtet, entwirrt, erklärt, kritisiert. Die renommierte Historikerin Martha Schadt widmet in ihrem Buch "Frauen gegen Hitler" endlich einmal eine geschichtliche Darstellung allein den Frauen. Sachlich aber nicht mit trockenen Fakten anstrengend, beschreibt die Autorin diejenigen, die wirklich im Hintergrund des Untergrundes gegen Hitler agierten, und die bislang in der Öffentlichkeit meist als anhimmelnde Wesen eines vermeintlich guten Demagogen dargestellt worden sind, im Taumel zwischen Hörigkeit und im Strudel einer gesellschaftlichen Begeisterung.
"Frauen gegen Hitler" zeichnet die Geschichten, Hintergründe und Lebenswege von Frauen aller Schichten, von Müttern, Arbeiterinnen, Autorinnen und Politikerinnen auf, von Geheimbundlerinnen wie den Frauen von der Straße, die eines gemein hatten: Zivilcourage. Menschliche Hintergründe werden in den einzelnen Schicksalen klarer, so die Geschichte um die Widerständlerin Constanze Hallgarten, in deren Umgebung eine begeisterte Anhängerin Adolf Hitlers lebte. Diese verlor den Lebenssinn, als ihr Neffe im Krieg fiel und hörte Hitlers Reden nicht als Rede, sondern als Sinngebung für einen nicht selbstverantwortlichten Tod. Keine Entschuldigung - doch eine Erklärung, die Begreifen leichter macht, die ein Urteil der heutigen Menschen abschwächt, über die, die nichts taten...
Gut recherchiert mit vielen Fakten, dabei aber menschlich dargestellt, schreibt Martha Schadt von berühmten Kritikerinnen des Regimes, wie Sophie Scholl und Gräfin Dönhoff, widmet sich aber eben genauso dem Berliner Arbeiterviertel, den Frauen hinter den Widerständlern vom Juli 1944, den unbekannten Frauen, die heute in Anonymität darüber sinnieren, warum der Widerstand gescheitet ist.
"Frauen gegen Hitler" ist ein "emotionales Sachbuch", welches in seiner Darstellung die Wahrheit zeigt, doch durch die Erzählungen so berührt, erschreckt und zum Nachdenken anregt, dass es nicht allein für geschichtlich interessierte Leser als Lektüre zu empfehlen ist. Emotional aufreibend wie fundiert ist dieses Buch auch ein Plädoyer dafür, die Augen offen zu halten, nicht mit der Masse zu laufen, sondern aufzublicken und zu dem zu stehen, was man in Frage stellt - Zivilcourage nicht zu sprechen, sondern zu leben.