Da Susan Kades in ihrem Buch vor allem Journalisten zitiert, die ja per se eine große Klappe haben und im Gegensatz zu vielen Wissenschaftlern geradeaus reden können, läßt sich das Buch sehr gut lesen. Frau Kades angenehmer Schreibstil hilft natürlich auch. Jedenfalls ist das Buch keine trockene Wissenschaftslektüre, bei der man sich von Seite zu Seite quälen muss.
Trotzdem: Der wissenschaftliche Teil kommt nicht zu kurz. Dabei wird nicht mit vielen Zahlen und Statistiken hantiert, sondern das Thema anhand von Interviews und Erfahrungsberichten von Journalisten aus dem ZDF und dem HR aufgearbeitet. Die Ergebnisse werden dann verglichen mit bisher in diesem Bereich geleisteten Forschungen (hier kommen dann doch einige Zahlen ins Spiel, aber man wird nicht davon erschlagen). Mir ist beim Lesen mal wieder klar geworden, dass pure Zahlen und Statistik eben nicht immer einen klareren Blick auf ein Thema ermöglichen - sondern dass Kades' Ansatz über Interviews und Heuristik einen ebenso verläßlichen, aber dafür menschlicheren Einblick ermöglicht. Deswegen ist mir die Kritik der Frankfurter Rundschau unverständlich: Für die FR magelt es dem Buch an "Human Touch" - ich persönlich finde, diese Arbeit hat genau den richtigen Touch in punkto Mischung von Information und Unterhaltung. Trotzdem muss ich mich wohl bei der FR bedanken, dadurch bin ich erst auf das Buch gestoßen.
Besonders interessant fand ich das Interview mit Ulrike Holler, eine der ersten Reporterinnen des HR und eine Art Urgestein, die dort auch heute noch arbeitet. Ihre Erzählungen über die Probleme und Startschwierigkeiten von Journalistinnen beim Funk in den 60er Jahren empfand ich als wirklich faszinierend.
Für Interessierte bietet das Buch Wissenswertes und Unterhaltung. Für Studenten bietet es jede Menge Zitiermaterial, nicht nur durch die Interviews mit Maischberger und Illner, sondern vor allem dadurch, weil Susan Kades tatsächlich etwas zu sagen hat.