Das erste Buch über Erbinnen und deren Umgang mit dem ererbten Vermögen ist soeben auf dem deutschen Markt erschienen. Seine zentrale These lautet: “Frauen erben anders… Das Geschlecht spielt eine entscheidende Rolle beim Erben und dabei, wie auf eine Erbschaft reagiert wird.” (S.9)
Sorgfältig und über Jahre hinweg intensiv recherchiert veröffentlicht Dr. Marita Haibach jetzt die Auswertung von Interviews mit 12 Erbinnen aus Deutschland, Holland und den USA, darunter Philantropie-Pionierinnen wie Tracy Gary und Marjan Sax. Alle verbindet die Erfahrung, dass Erben ihnen (zuerst) keine Freude sondern überwiegend Last brachte: “Frau und Geld” ist genauso wie “Frau und Macht” eine traditionell konfliktträchtige Kombination und gipfelt bei zahlreichen Erbinnen zuerst einmal in einer schmerzhaften Identitätskrise - oft verstärkt durch das Unverständnis des sozialen Umfelds nach dem Motto: “Deine Probleme hätte ich auch gerne.”
Die Studie zeigt anhand von eindrücklichen Fallbeispielen wie Frauen erfolgreich mit ihrem ererbten Vermögen umgehen lernen und dabei den attraktiven und bewussten Identitätsweg von der Spenderin und/oder Stifterin zur Philanthropin einschlagen, um gesellschaftliche Veränderung aus frauenpolitischer Sicht voranzutreiben - vergleichbar mit Tracy Gary, der Gründerin der US-amerikanischen Erbinnenbewegung und des Global Fund for Women oder Marjan Sax, die das erste Erbinnen-Netzwerk in Holland und außerdem die erste niederländische Frauenstiftung namens Mama Cash gründete. Ebenfalls durch Marita Haibachs Initiative gibt es ein vergleichbares Erbinnennetzwerk - das PECUNIA Netzwerk - sowie FILIA. DIE FRAUENSTIFTUNG inzwischen auch in Deutschland.
Für (zukünftige) Erbinnen ist dieses Buch eine unschätzbare Unterstützung um mit sich und dem ererbtem Vermögen konstruktiv umzugehen und es sich auch unter ethisch-frauenpolitischen Maßstäben anzueignen.
Es bietet darüber hinaus jeder Frau und jedem Mann eine klare, verständliche Einführung in alle Aspekte des Geldanlegens - der Stil hebt sich dabei wohltuend sachlich ab von der aufgeregten Aufdringlichkeit zahlreicher anderer Finanzratgeber, die in den letzten Jahren erschienen sind.
Wer dieses Buch liest findet fundierte Unterstützung bei Fragen wie
• Sage ich, dass ich reich bin, oder werde ich dann nur noch als “wandelnder Geldschein” angesehen?
• Der letzte Wille - was tun, wenn das Machtwort auf der Seele lastet?
• Wie nehme ich mein Vermögen in die eigenen Hand?
• Wie führt oder verkauft “frau” eine geerbte Firma?
• Wie wird Vermögen bewertet und angelegt?
• Wie lassen sich Spendenprojekte sinnvoll auswählen?
• Wie gründe ich eine Stiftung?
Marita Haibach ist eine der Autoritäten auf dem deutschen Fundraising Markt mit dem besonderen, zusätzlichen Verdienst auch die frauenpolitische Sicht mit in ihre Arbeit einzubeziehen. Sie zählt zu denjenigen, die diesen Markt hierzulande überhaupt erst entwickeln und qualifizieren. Auch ihre neue 238 Seiten starke Studie trägt ihre Markenzeichen: Eine weitere Pionierarbeit mit sauberer Recherche, gekonntem, sensiblen Umgehen mit dem Tabu des Erbens, klarer verständlicher Faktenvermittlung und dazu noch spannend zu lesen.
Darüber hinaus findet sich im Anhang eine Vielzahl von gezielt ausgewählten Literaturempfehlungen sowie einschlägige aktuelle Anschriften von Netzwerken, Stiftungen, Stiftungs- und Frauenfinanzberatungen.
Diese Studie ist eine angenehme, inspirierende Pflichtlektüre für jede (angehende) Erbin, für diejenigen, die eine verständliche, umfassende Einführung in die Themenfelder Geldmanagement, Spenden, Stiften und überhaupt in die Philanthropie suchen sowie für alle, die sich im Dritten Sektor beruflich und/oder privat engagieren.
Dr. Irmgard Ehlers, Studienleiterin, Evang. Akademie Bad Boll