Es handelt sich um
Hedy Lamarr, die 1914 in Wien als Hedwig Kiesler geboren wurde, und die zusammen mit dem Komponisten George Antheil das Frequenzsprungverfahren entdeckte. Ein Verfahren, das später in Elektronik und Mobilfunk unentbehrlich wurde.
Barbara Sichtermann und Ingo Rose haben in diesem Buch 18 Erfinderinnen porträtiert. Sie finden hier keine der großen Wissenschaftlerinnen wie Marie Curie oder Liese Meitner, sondern Frauen die seit dem 19. Jahrhundert "mehr oder weniger auf sich allein gestellt gearbeitet haben und denen man eine Neuschöpfung nicht ohne weiteres zugetraut hätte." Einige der Erfindungen sind Dinge, die auch heute noch im Haushalt eine Rolle spielen. Erfindungen aus "Faulheit" sozusagen. Mary Donovan und die Einwegwindel sind so ein typischer Fall. Oder Melitta Bentz und der Kaffeefilter, Josephine Cochran und der Geschirrspülautomat.
Mary Anderson, die im Winter 1902 in New York beobachtete, wie umständlich eine Windschutzscheibe vom Schneeregen befreit werden musste. Zurück in Alabama erfand sie eine Vorrichtung, die unseren heutigen Scheibenwischern ähnelt. Ihr Patent wurde 1903 eingetragen. Die Vermarktung gestaltete sich jedoch schwierig. Erst nachdem ihr Patent abgelaufen war, wurde es im großen Stil industriell verwertet.
Agnes Pockels, die beim täglichen Abwasch die Oberflächenspannung des Wassers beobachtete, und so nebenbei die Schieberrinne erfand. Diese wurde von dem amerikanischen Chemiker Langmuir weiterentwickelt, wofür er 1932 den Nobelpreis erhielt. In einer Würdigung anlässlich des Nobelpreises wurde ausdrücklich erwähnt, dass er auf den "originellen Experimenten" eines 18-jährigen Mädchens aufbaute, "das keinerlei formale wissenschaftliche Ausbildung genossen hatte."
Käthe Paulus, gelernte Schneiderin und Himmelsstürmerin, die 1893 zum ersten Mal mit einem Ballon aufstieg. Im selben Jahr wagte sie als erste Frau in Deutschland (und dritte Frau weltweit) einen Fallschirmsprung. Der tödliche Absturz ihres Partners im Jahr 1894, den sie hilflos beobachten musste, löste jedoch tiefe Depressionen aus. Sein Schicksal war es, das sie zur Erfindung des Paketfallschirms motivierte. Anstelle eines offenen Fallschirms wie bis dahin üblich, faltete sie das Material zusammen und versah es mit einem Spezialmechanismus zum Öffnen. 1921 erhielt sie hierfür ein Schweizer Patent.
Jeder Erfinderin sind in der Regel sechs Seiten gewidmet, wobei allerdings die ersten beiden Seiten das Produkt und ein großformatiges Porträt zeigen. Die restlichen Seiten enthalten den Lebenslauf, eine Beschreibung der Erfindung sowie deren Erfolgszug, und weitere Bilder. Der Text ist gut und unterhaltsam geschrieben. Die Gestaltung ist abwechslungsreich. Jeder Dame ist eine andere Farbe zugeordnet, die für Merkkästen sowie auf der Titelseite verwendet wird. Schön wäre es gewesen, hätten die Autoren weiterführende Literaturtipps beigefügt.
Alles in Allem ein Buch, das mich positiv überrascht hat. Beeindruckende Leistungen von neugierigen Frauen. Hier gibt es viel zu entdecken und zu lernen.
Empfehlenswert.