Wie sehr charismatische Frauen in die äußere Leitung der Kirche durch die jeweiligen Päpste mit ihren Initiativen geschichtlich eingegriffen haben ist noch immer weitgehend unbekannt. Zu sehr hat sich in letzter Zeit die Frauenfrage auf das Amtspriestertum konzentriert und wurde damit weit unter Niveau gehandelt. Die an der TU Dresden promovierte Philosophin Beate Beckmann-Zöller hat sich der Mühe unterzogen, die Einflüsse von sechs exemplarischen Frauen auf die Päpste ihrer Zeit mit lebendigen Porträts und der Wiedergabe wichtiger Briefdokumente von tiefem geistlichem Gehalt darzustellen. Von prophetischer Inspiration getrieben haben sich vor allem Hildegard von Bingen, Birgitta von Schweden und Caterina von Siena im Mittelalter wortgewaltig für die Erneuerung der Kirche (und ihres oft verlotterten Klerus) eingesetzt und im Inhaber des Petrusamtes den idealen Ansprechpartner dafür gesehen. Caterina, die später Kirchenlehrerin, Patronin Italiens und (wie auch Birgitta) Europas wurde, scheute sich nicht, für eine "Nervensäge" gehalten zu werden, um das päpstliche Exil in Avignon zu kritisieren, da der "Christus auf Erden" nach Rom gehöre. Vergleichbare männliche Äußerungen sind nur in Bernhard von Clairveaux's "De consideratione" an Papst Eugen III. überliefert. In der beginnenden Neuzeit ist es Maria Ward, die Vorkämpferin einer gleichberechtigten Frauenbildung, die den Mut fasst, sich in ihrem Anliegen weiblicher Jesuiten" an Päpste zu wenden, dann aber durch das kirchliche Amt tiefe Demütigungen erfahren muss. An der Wende zum 20. Jahrhundert richtet sich die seliggesprochene Oblatin Elena Guerra an Papst Leo XIII., um die Verehrung des Heiligen Geistes in der Kirche zu fördern. Dies führte 1897 zur Enzyklika "Divinum Illud Munus". Die in Auschwitz ermordete große Philosophin, Konvertitin und Karmelitin Edith Stein wandte sich 1933 an Papst Pius XI. mit der Bitte, ein Wort zu den ihren jüdischen Mitmenschen drohenden Gefahren zu verkünden. Auch sie wurde bekanntlich von Papst Johannes Paul II. 1999 zur Mitpatronin Europas ernannt. Hildegard und Maria Ward dagegen erwarten immer noch ihre offizielle Kanonisierung.
Beckmann-Zöller schildert diese sechs kirchengeschichtlich bedeutsamen Korrespondenzen von heiligen Frauen mit Päpsten in historisch exakter Weise, auch wenn sie auf Bitten des Verlages zur leichteren Lesbarkeit den ausführlichen Fußnotenapparat weglassen musste. Die vorwiegend geistlichen (und nicht "kirchenpolitischen") Anliegen der Autorinnen und damit ihre jeweilige Spiritualität werden treffend geschildert. Durch die Wiedergabe vieler Briefe an Päpste ist das Werk eine wirkliche Fundgrube und macht neugierig, was wohl in der Gegenwart eine heilig-prophetische Frau dem römischen Papst zur Erneuerung der Kirche und des Glaubens sagen würde. Gewiss wird dazugehören, ein "fruchtbares Miteinander von Männern und Frauen, von Laien und Geweihten in der Christenheit zu erreichen" (13).