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Produktinformation
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Barbara Schweder - Geboren 1963 in Wien. Studium der Anthropologie und Zoologie in Wien und North Carolina, USA. Forschungsassistentin und Lektorin an der Universität Wien. Seit 1993 freiberuflich tätig, Forschungsschwerpunkte sind Partnerwahl, Geschlechtsunterschiede beim Menschen und Osteologie.
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Es gibt eine Menge Literatur, die sich anspruchsvoll mit der faszinierenden Frage befaßt, wie unser Verhalten durch unsere Gene gesteuert wird. In dieses Schrifttum reiht sich das zu besprechende Buch ein. Es faßt die allgemein bekannten Erkenntnisse anschaulich zusammen und präsentiert sie in gut verständlicher Form. Zu dem, was der etwas reißerische Titel in Aussicht stellt, kommt das Buch nach so ungefähr 200 Seiten (von 226): Frauen haben mehr soziale und damit verbundene kommunikative Kompetenz als Männer. Das ermöglicht ihnen, Partnerschaften zu retten, indem sie ihre insofern widerstrebenden Männer dazu zu bringen, über ihre Gefühle zu sprechen. So also, meinen Riedl/Schweder, machen Frauen Männer gegen deren Willen glücklich. Das hätte sich ebenso leicht wie vollständig in einem kurzen Fachartikel darstellen lassen. Die umfängliche Darstellung unserer indirekten Steuerung durch unsere Gene ist, stellt man nur hierauf ab, eher Ballast als Bereicherung. Kurz: der Titel verfälscht und macht den Buchumschlag zur Mogelpackung.
Aber auch dem, den dieser Punkt nicht weiter stört und der sich für das eigentliche Thema des Buches interessiert, ist das Werk nur eingeschränkt zu empfehlen. Es leidet nämlich zunächst unter einer bemüht flotten Schreibe und bemüht flott ist eben nicht flott. Dazu kommt ein kämpferischer Grundton. Dieser betriftt zunächst die Emanzipation der Frau. Das beginnt mit der Verwendung von Wortungetümen wie „AutorInnen“ – seid gegrüßt KinderInnen und Kinder - und geht weiter mit penatrantem Klopfen auf die Schultern der Frauen mit dem Hinweis, was für tolle Wesen das doch seien. Gleiches gilt für einen – sehr sympathischen -Kulturskeptizismus, der uns als blind konsumgeile Wesen darstellt und kritisiert. Erst recht wird im Ausblick auf die Zukunft deutlich, daß die Autorinnen idealistischen –und wiederum sehr sympathischen - Utopien nachjagen: Wir sollen z. B. besser mit den Armen auf dieser Welt umgehen, so der kategorische Imperativ der Autorinnen. Das viele Moralin wirkt etwas streng. So fehlt dem Buch der „Lies-weiter-Effekt“, der einem sagt: „Jetzt ist es furchtbar interessant und gleich wird es bestimmt noch interessanter.“ Man wird nicht gefesselt und beißt sich nach einiger Lektüre eher pflichtgemäß weiter. An die herzliche, menschenfreundliche und deshalb so liebenswerte Darstellung von Helen Fishers Anatomie der Liebe reichen die Autorinnen bei weitem nicht heran.
Auch inhaltlich gibt es einiges zu kritisieren. Hauptpunkt: Wer sich ernstlich mit unserem vielfach erschreckenden genetischen Erbe befaßt, verstellt den Blick auf die Realität, wenn er zu früh die Elle der Moral anlegt. Auch wäre es kein Fehler, immer wieder einmal deutlich zu machen, wie weit man hier ohne festen Untergrund auf der Suche nach Plausibilität arbeitet, letztlich also im Spekulativen.
Das soll nicht z. B. die Tatsache der Jahrtausende andauernden ungerechten Unterdrückung der Frauen in Abrede stellen, die vielleicht Folge des Übergangs von der Gesellschaft von Jägern und Sammlern zur agrarischen Lebensweise war. (Eine andere, von den Autorinnen nicht erwähnte, These verweist insofern auf die typischerweise größere Körperkraft der Männer.) Geradezu zerrissen präsentieren sich die Autorinnen bei der Beurteilung von Machos. Ihren Moralvorstellungen entspricht der männliche Softie. Aber sie konzedieren doch, daß dieser nicht alle Wünsche der Frauen erfüllt.
Dazu kommt: dummerweise ist der Konsum immer besser werdender Lebensmittel, aber auch die Nutzung von z. B. Kühlschränken, Waschmaschinen, Waschmitteln oder Medikamenten (man ist auf Vermutungen angewiesen, da die Autorinnen Ihre Thesen zum Konsumfetischismus der Gesellschaft nicht irgendwo konkret festmachen) etwas, was uns gesunder macht und unser Leben verlängert. So ist er zugleich ein wahrscheinlich sehr wirksames Werbemittel um den Fortpflanzungserfolg, der für unsere uns insgeheim steuernden Gene immer im Vordergrund steht.
Hinsichtlich des gesellschaftlichen Modells der Autorinnen zeigt sich die politische Korrektheit, die das ganze einschlägige Schrifttum durchzieht: Unsere von vielen als zu begrenzt empfundene Hilfsbereitschaft (wie paßt das zu den Erfolgen von Spendenaufrufen nach Katastrophen?) und die überall zu beobachtende Xenophobie, wohl auch unser oft äußerst verkrampftes Verhältnis zu Behinderten sollten eigentlich im Verdacht stehen, ebenfalls auf Notwendigkeiten des Lebens in der Savanne zu beruhen, die unsere Gefühlsmechanismen so intensiv geprägt haben. Das blitzt im einschlägigen Schriftum immer wieder auf. Aber alle Autoren, so auch Riedl/Schweder, sind sichtlich bemüht, dieses moralische Defizit zu umschiffen. Es ist ja auch nur zu verständlich, daß niemand z. B. Ausländerhassern mit Argumenten dienen möchte. Wir lösen aber solche Probleme nicht, indem wir sie unter den Teppich kehren. Wir sollten uns ihnen besser offen und ehrlich stellen, sie erforschen und beschreiben, Dann und nur dann hätten wir eine wirkliche Chance, auch hier auf der Basis kultureller Bewertung, will sagen Ablehnung, mittels unserer Intelligenz unsere Gene auszutricksen, die uns möglicherweise eine moralisch so miese Prägung mitgegeben haben.
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