Der Titel dieses Kunst-Akademie Buches ist leider sehr irreführend, was die Autorin in den ersten Zeilen des Vorwort auch eigens einräumt: "Es gibt wohl kaum eine Möglichkeit, diesem Thema in seiner vollen Breite und Tiefe gerecht zu werden. Mit diesem Zugeständnis muss ich beginnen". Soviel Ehrlichkeit gehört honoriert, da sind manch andere Autoren dreister. Doch bringt das nichts, wenn man das Buch bereits mit falschen Erwartungshaltungen gekauft hat, dagegen hilft nur eine gute Rezension. Daher ein Tipp an den Verlag, zukünftig solche irreführenden Titel zu unterlassen, denn hier geht es wieder einmal hauptsächlich um nichts anderes als selbsterklärende und stilistisch-begrenzte Werk-Präsentationen eines konkreten Künstlers - hier Ekaterina Moré.
So sind die 12 allgemeinen Seiten über das Titelthema auch mehr als Alibi-Abschnitt aufzufassen. Er gibt zwar einen flüchtigen Überblick von den ersten Venusfiguren hin zu modernen abstrakten Werken Picassos, um dann erneut mit den Worten zu enden, "dass dieser Überblick kaum Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann". Man hätte ihn auch einfach weglassen oder schlicht den Buchtitel ändern können, z.B. in "Meine Frauen-Bilder" - denn um nichts anderes geht es auf den restlichen der insgesamt 112 Seiten.
Wer Ekaterina Moré schon kennt, der kennt auch ihren Stil: Grob gesagt eine eigene Mischung aus Pop-Art, Comic, Im- und Expressionismus, die hübsch anzusehen ist und Betrachtern möglicherweise auch Anregungen vermittelt, ähnliche Stilkombinationen und Umsetzungen anzugehen. Daher bedarf es für die Anschaffung dieses Buches auch ein konkretes Interesse daran, da einem wissensdurstigen Acryl-Maler sonst die Selbsterklärungsversuche und emotional-geprägten Erläuterungen aus der Egoperspektive der Künstlerin nicht viel bringen werden. Die Bildpräsentationen als solche sind hochqualitativ, und dürften Fans und alle die es werden wollen sehr zufrieden stellen.
Fazit:
Ein etwas unglückliches Buch-Konzept und fehlende Sachinformationen lassen das Lehr-Potenzial der Künstlerin hier nur sehr bedingt zur Geltung kommen. Unterm Strich bleibt ein unterhaltsamer, optisch-qualitativer und nett-anzusehender Bildband, der leider nur von einer sehr spezifischen Zielgruppe als wirklich nützlich erachtet werden kann.