Gott sei Dank hat allein der Titel "Macho Man" meine ganze Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, denn sonst wäre wohlmöglich dieser Geniestreich völlig an mir vorbei gegangen.
Ich bin selbst türkischstämmig und lebe ebenfalls wie der Protagonist in Köln. Bedingt dadurch, kann ich doch mit ein wenig stolzer Brust behaupten, dass ich sowohl in der deutschen als auch in der türkischen Kultur und Lebe- und Denk-Welt wohl bewandert bin. Aus diesem Grund hatte ich beim hören wohl immer und immer wieder die lustigsten Déjà-Vu-Erlebnisse. Ich konnte mich stellenweise vor Lachen nicht mehr einkriegen. Die Gag-Dichte ist so enorm, dass man über weite Passagen von einem Lacher in den Nächsten fällt. Toll!
Moritz Netenjakob weiß tatsächlich wovon er spricht, respektive schreibt: Er ist selber seit vielen Jahren mit einer Türkin verheiratet und bestens mit der türkischen Sprache und der türkischen Kultur vertraut. Dennoch muss der Autor ein sehr guter Beobachter und auch Querdenker sein. Die - zugegebenermaßen - oft überspitzte Wiedergabe der Macken und Marotten beider Kulturkreise (der deutschen und der türkischen) ist oft so gut erkannt und analysiert und sind auf so derart höchstkomische Weise miteinander verknüpft, dass mir immer wieder das Gefühl eines Spiegels vermittelt wurde, welcher mir vor Augen gehalten wird. Hörer/Leser, die sich in beiden Kulturen auskennen werden garantiert doppelt so viel Spaß haben wie all jene, die wohlmöglich nicht bikulturell aufgewachsen sind, und die haben schon viel Spaß!
Ich kann nur dringend empfehlen das Buch zu hören, statt es zu lesen. Zunächst mal liest Netenjakob selber, was sicherlich darauf zurückzuführen ist, dass er es als langjähriger Comedian zur sprachtechnischen Meisterschaft gebracht hat. Der Hauptgrund aber ist, dass der Autor auf so derart begnadete Weise nicht nur ständig Udo Lindenberg und Reiner Calmund imitiert, sondern fasst alle Akteure seiner Geschichte so typgerecht parodiert, dass es einen die Tränen in die Augen treibt, vor lachen!
Wer - wie ich - durch Tommy Jaud und auch Hape Kerkeling verwöhnt ist, und wem die, zugegebenermaßen sehr guten Bücher von Kerstin Gier zu uncool und unmännlich sind, der hat mit "Macho Man" ein Buch, dass mindestens auf Augenhöhe mit den Vorgenannten zu heben ist!
Absolut empfehlenswert!