Als mir dieses Buch in die Hände fiel, war ich gleich sehr interessiert und neugierig. Das Thema der Massenvergewaltigungen von deutschen Frauen durch russiche Soldaten am Ende des 2. Weltkriegs war mir zwar irgendwie schon geläufig, aber ich hatte noch nie Details darüber gelesen. Vor ein paar Jahren las ich das Buch "Eine Frau in Berlin" - das hat mich auch schon sehr schockiert und beeindruckt.
Das vorliegende Buch "Frau, komm" ist sehr, sehr einfühlsam geschrieben, von einem Mann, der zum Zeitpunkt dieser Ereignisse 12-13 Jahre alt war, also praktisch noch ein Zeitzeuge ist! Mir gefällt, wie das Buch aufgebaut ist, es beantwortet viele Fragen, die ich hatte (die Kapitel heissen z.B. Darstellungsdefizite, Widerstand zwecklos, Erklärungsversuche, Kinder, Rolle der Offiziere).
Der Autor verwendet sehr viele kurze Berichte und Zitate von Opfern und Zeitzeugen - es sträuben sich einem die Nackenhaare wenn man sich vorstellt, was diese Frauen durchmachen mussten - und wie sehr sie hinterher schweigen mussten - 60 Jahre lang!
Ich finde, dieses Thema ist lange genug in der Öffentlichkeit verschwiegen worden (sowohl in Deutschland als auch anderswo, vor allem aber in Deutschland), und es ist höchste Zeit, dass viele Menschen sich darüber Gedanken machen, welches Leid da so vielen Frauen zugefügt wurde (schätzungsweise 2 Millionen vergewaltigte Frauen!). Man sollte auch bedenken, dass, wenn man immer nur darüber schweigt, es auch in neueren Kriegen wieder vorkommt, dass die Frauen des Feindes massenweise brutal vergewaltigt werden. Da muss man einfach dagegen angehen.
Man kann das Buch in einem Rutsch durchlesen, so packend ist es - allerdings musste ich es immer wieder zur Seite legen, um zu verdauen, was ich gelesen hatte.
Ich bin sehr beeindruckt, dass sich der Autor dieses schwierigen und emotionalem Themas angenommen hat und finde das Buch äusserst gelungen! Es regt sehr zum Nachdenken und zum Nachfragen an.
Es ist relativ wissenschaftlich aufgebaut, was mir persönlich sehr gut gefallen hat (viele Fussnoten und Quellenangaben), und durch die kurzen Tatsachenberichte ist es auch für Laien sehr gut zu verstehen.
Ich hoffe, dass viele Menschen dieses Buch lesen werden (vor allem Frauen) und dann hinterher über dieses Thema diskutieren werden. Und vielleicht sogar noch Ihre Mütter, Tanten und Grossmütter zu diesem Thema befragen werden.