Annetje Beets stirbt im Alter von fast 100 Jahren und als die Beerdigung im Kreise der Familie stattfindet, stellt Emma Mansbourg (Enkelin) in den Reden und Lobliedern auf die Verstorbene spitze und gehässige, aber unüberhörbare Untertöne fest. Vor allem ihr Vater Lepel, Oma Annetjes Stiefsohn verhält sich seltsam. Als dieser auch noch persönliche Briefe der alten Dame verbrennt, steht für Emma fest, dass es ein Familiengeheimnis geben muss, das im Zusammenhang mit ihrer Stief-Großmutter steht. Neugierig geworden, beginnt Emma Mansbourg zu recherchieren. Sie durchforstet alte Fotos, Briefe und Dokumente, geht zu verschiedenen Ämtern und sucht in Archiven, um die wahre Geschichte zu ergründen - sehr zum Unmut mancher Familienmitglieder.
Sie kommt langsam hinter so manches Geheimnis ihrer bis dahin heilen familiären Welt, deckt Tragödien auf und macht Täter zu Opfern bzw. umgekehrt. Frau im Schatten" beschreibt so fast über ein ganzes Jahrhundert hinweg das Leben dieser Frau Annetje Beets aber auch die Geschichten anderer Familien.
Bisweilen liest sich diese halb-biographische Familiensaga spannend wie ein Kriminalroman, streckenweise erscheint es einem aber wie ein langatmiger, liebloser Bericht. Die Zeitsprünge sind oft etwas unvermittelt und schwierig nachzuvollziehen, da es doch sehr viele Akteure mit teils sehr ähnlichen Namen aus verschiedenen Generationen gibt, was für den Leser durchaus anstrengend wird. Alles in allem könnte die Geschichte etwas leidenschaftlicher und feinfühliger erzählt werden. Es ist aber in jedem Falle eine sehr bewegende Geschichte, ein Familien- bzw. Frauenschicksal, das man so leicht nicht wieder vergisst! Und das ist es, was das Buch doch empfehlenswert macht.