Rafik Schami, geboren und aufgewachsen in der syrischen Hauptstadt Damaskus, ist promovierter Chemiker.
Eigentlich.
Tatsächlich aber ist er Geschichtenerzähler durch und durch - und nicht umsonst einer der erfolgreichsten und beliebtesten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Besonders bei seinen Lesungen zeigt sich sein Talent zum freien Fabulieren.
Im Hörbuch "Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte" stellt Schami sich die Frage, wie er eigentlich zum Erzähler wurde, und findet die Antwort darauf in seiner Kindheit: Alles begann an einem Frühlingstag im Jahr 1953, an dem er seinen Großvater, einen warmherzigen, vor Phantasie nur so sprühenden Mann - und selbst ein großer Geschichtenerzähler, durch die Altstadt begleitete. Was er dort erlebte, versteht Rafik Schami Jahre später als Anfang seines Weges als Erzähler.
In mehreren Anekdoten entführt Schami den Hörer in das Damaskus seiner Kindheit und setzt ein eindrucksvolles Mosaik aus Erlebnissen und Erinnerungen zusammen, die zu seiner Leidenschaft für das Schreiben und Erzählen und zu der Entfaltung seines außergewöhnlichen Talentes beigetragen haben. Dabei taucht immer wieder sein Großvater auf: Er war Schami in seiner Kindheit ein wahrer Verbündeter. Atemlos lauschten der kleine Rafik und bisweilen die gesamte Nachbarschaft dessen Geschichten, gemeinsam spannen die beiden sich eine phantasievolle Welt.
Das Erzählen und Erfinden von Geschichten spielte in der arabischen Kultur, von der Schami in Damaskus umgeben war, auch im Alltag eine zentrale Rolle: Schami erzählt davon, wie er und seine Mutter tausendundeine Nacht lang heimlich die Erzählungen der Scheherasad im Radio hörten, davon, wie er in seinem Zimmer eines Nachts einem Erzählwettbewerb der Männer im Innenhof lauscht, davon, was seinem Großvater das Lesen bedeutete und von dem berührenden Abschied von dem Mann, der ihn so geprägt hat. Schami war immer schon von Geschichten umgeben und setzt diese Tradition selbst erfolgreich fort.
Das Hörbuch ist vom Autor selbst gelesen - es fällt leicht, sich von seiner Stimme mit dem interessanten syrischen Akzent ins ferne Damaskus entführen zu lassen. Gute Unterhaltung, nicht nur für Schami-Fans, sondern auch eine nette Einführung für Menschen, die sich für Schamis Kultur interessieren und seine Romane bisher noch gar nicht entdeckt haben!