In seinem Buch "Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte" erzählt Rafik Schami, wie er zum Erzähler wurde. Er entführt den Leser in das Damaskus seiner Kindheit und Jugend, erweckt dadurch unzählige Bilder, Gerüche und Töne zum Leben. Schon in frühen Jahren wurde ihm klar, dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als die Menschen durch Erzählen zu verzaubern, und zwar, nachdem er mit seinem Großvater beobachtet hatte, wie eine Frau ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte. Der vordergründige Grund dafür war ihre Armut, der hintergründige aber das Schweigen des Mannes. Vielleicht hätte sie ihn trotz der Armut behalten, wenn er sie nur unterhalten hätte, stellt Rafik Schami fest. Nun kann man nicht einfach so zum Erzähler werden. Und so wurde er erst zum Leser und zum Zuhörer. Schami erzählt, wie ihn die Radiogeschichten der Scheherasad 1001 Nacht wach gehalten haben und wie schließlich alles weiterging mit ihm. Bis er sich in Deutschland, weit weg von der Heimat, langsam sein Publikum erobert hat.
Rafik Schami wäre nicht Rafik Schami, wenn er dies alles einfach chronologisch heruntergeschrieben hätte. Vielmehr baut er zwischendurch immer mal wieder kleine Geschichten ein, die gar nichts mit seiner eigenen Geschichte zu haben, wenn sie ihn natürlich trotzdem prägten. Und wissenschaftlich wird es auch hin und wieder. Er schreibt Theoretisches über Märchen und mündliche Erzählkunst. Gegen Ende wird er ernst bei der Vermutung, die heutige Reduzierung der Sprache (z.B. in SMS) könne nicht ohne Schaden bleiben, da das Denken mittels Wörter formuliert wird. Er zitiert Karl Kraus: "Die Sprache ist die Mutter, nicht die Magd des Gedankens." Schließlich äußert Schami seine Enttäuschung über den Zustand arabischer Literatur auf der einen Seite und den seelenlosen Übersetzungen großartiger Werke arabischer Literatur auf der anderen Seite. Als Leser muss man aber keine Angst haben, diese Abschnitte seien zu akademisch oder trocken. Auch hier vermag Schami es, den Leser durch seine Erzählweise in seinen Bann zu ziehen. Daher ist das Buch gelungen. Sein bestes ist es aber nicht.