"Frau Jenny Treibel" gehört zu Theodor Fontanes bekanntesten und auch besten Romanen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der heiratsbedingte Aufstieg der Kleinbürgerin Jenny Bürstenbinder in die Kreise der Fabrikanten-Bourgeosie in den 1880er Jahren. Relativ schnell hat sie sich dem Verhalten, der Sprechweisen und dem Lebensstil ihrer neuen Schicht angepaßt und entsprechend hat sie auch ihre Söhne erzogen. In ihrem Gedächtnis, in ihrem Herzen - wie sie es nennt - trägt sie jedoch die Erinnerung an ihre Jugendzeit, die sie trotz der erlebten Armut zusehends als einfaches, aber glückliches Leben idealisiert. Voller Sentimentalität erinnert sie sich ständig an das Lied "Wenn sich Herz zum Herzen findet", das ihr damaliger Verehrer für sie geschrieben hat; sie läßt es auf ihren Gesellschaften vortragen und wird nicht müde zu beteuern, daß "Herz" und "Liebe" die eigentlichen Werte seien, ohne die man nicht glücklich werden könne. Nichtsdestotrotz hatte sie seinerzeit ihren Verehrer im Regen stehen lassen, als der renommierte und vor allem reiche Fabrikant Treibel um ihre Hand anhielt. Diese Vergangenheit Jennys wird Gegenwart, als die Tochter ihres ehemaligen Verehrers ihren willenschwachen Sohn heiraten will und somit selbst den Aufstieg in die Bourgeosie beabsichtigt. Alle heeren Worte, alle beschworenen Werte sind bei Jenny schnell über Bord geworfen, sie kämpft nun wie eine Löwin, um diese unstandesgemäße Heirat zu verhindern. Diese Geschichte ist höchst amüsant geschrieben und brilliert in ihrer subtilen Ironie, hinter der der Leser immer wieder den augenzwinkernden Fontane erkennt. Unbedingt zu empfehlen! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)