Ich bin von dieser 6-auf-einen-Streich-Reihe begeistert: So liebevoll gemachte Märchenfilme, ohne zu sehr auf modern oder Großmuttern gebürstet zu sein, sind einfach eine schöne Kinderfilm-Bereicherung!
Hier sind die beiden Marien nun nicht 1:1 auf "Gut und böse", "Blond und Schwarz" festgelegt. Es sind Geschwister, ergo beide blond, und eine heißt Marie und die andere Luise. - Die Mutter ist keine herzlose Hexe, sondern eine manchmal überforderte, hart arbeitende Witwe, die irgendwie sich und ihre beiden Töchter durchbringen muß.
Marie ist sehr geschickt und häuslich, Luise eher die kleine Prinzessin mit den zarten Fingern. Luise weiß das auszunutzen und schiebt immer mehr Arbeit auf die taffere Schwester. Marie findet es natürlich sehr ungerecht, daß die überlastete Mutter so oft von ihr ganz selbstverständlich Leistungen abverlangt, die von der hübschen Luise nicht gefordert werden. Und auch noch die Dorfjungs eher auf die schöne Schwester stehen und sie wohl eher als Kumpel betrachten.
Marie aber neigt trotz allen Ärgers zum Nachgeben, zur Vernunft. So läßt sie der Schwester eine vom Scherenschleifer-Erzähler geschenkte Brosche, weil die sich gerne schmückt und schon so gekränkt ist, weil der verstorbene Vater Marie bevorzugte und ihr eine Kette vererbte. Dennoch stört es sie, daß Luise immer nur um sich kreist und nie die Bedürfnisse Anderer sieht.
Normaler Geschwister-Streit, eben... Und parallel wird die Mutter vom Dorfbäcker beworben, der sich alle Mühe gibt, endlich mal das Brot ihres Herzens zu kreieren. Aber die genervte Mutter mag keines der Brote und füttert nur die Gänse damit...
Weiter geht es á la Grimm: Marie sticht sich in den Finger, die Spinnspule wird blutig, sie läßt die Spule in den Brunnen fallen und fällt panisch hinterher. Findet sich auf der Märchenwiese wieder...
Neu ist der Rabe, auf Brautschau, der Marie nun leitet. Ansonsten gibts auch den Ofen mit den fertig gebackenen Broten und den schüttelbedürftigen Apfelbaum.
Marie findet dann auch Frau Holle, eine Posaunenblasende, herzige Marianne Sägebrecht, die das Kind gerne aufnimmt. Und Marie hat eine gute, warme Zeit und lernt viel über den Sinn von Schnee, bekommt auch ein neues Kleid.
Inzwischen wird Marie daheim heftigst vermißt. Sogar von der verwöhnten Schwester, denn nun muß SIE RAN: Die Mutter braucht eben Hilfe und sehnt sich immer intensiver nach der wesentlich anstelligeren Schwester. Was Luise natürlich ziemlich frustriert. -
Marie kehrt, wie bekannt, reich vergoldet und schön zurück. Luise steht erstmals im Schatten der Schwester. Eifersüchtig und ambitioniert, stürzt sie sich nun auch in den Brunnen und will den Preis ohne Fleiß.
Der Rabe durchschaut die kleine Circe schnell und verurteilt sie. Frau Holle allerdings will jedem Menschen keine ewige Verdammnis anhängen, sondern jeden Tag als Neuanfang erklären...
Also hat auch die zurückgekehrte Pech-Marie-Luise ihre Chance. Die Schande des schmutzigen Äußeren, Maries Angebot, das goldene Kleid zu tragen (das Marie nicht mehr braucht - sie strahlt selbst genug!) und das Entsetzen der Umgebung sind hart genug für das eitle Mädel. - Also darf sie sich rehabilitieren, indem, sie es erlernt, auch Andere ernst zu nehmen und dadurch wieder schön zu werden...
Schöne, menschliche Botschaft! Und auch der Bäcker-Werber schafft es, das richtige Brot zum Herzen der Mutter zu finden, die dann auch locker wird... Au ja! (Wieso muß denn immer einer der Loser sein... Schön, daß hier alle einen guten Weg finden!) Jawoll!