Pressestimmen
"Gemessen an 'Fratze' erscheint 'Fight Club' wie ein gemütlicher Kinderspaziergang." (San Francisco Chronicle )
"Erschütternd, pervers, zum Schreien komisch – ein wilder Turboritt der Katastrophen! Mag gut sein, dass 'Fratze' Palahniuks bestes Buch ist." (Seattle Times )
"Erschütternd, pervers, zum Schreien komisch – ein wilder Turboritt der Katastrophen! Mag gut sein, dass 'Fratze' Palahniuks bestes Buch ist." (Seattle Times )
Kurzbeschreibung
Palahniuks viel gerühmtes Frühwerk erstmals auf Deutsch!
Shannon McFarland ist wunderschön, hat einen Traummann zum Freund und eine großartige beste Freundin – und dann hat sie einen Unfall. Was ihr bleibt ist nur eines: eine Fratze. Kaum jemand kann es ertragen, in ihr entstelltes Gesicht zu sehen, bis sie Brandy Alexander kennenlernt. Die Drag Queen Supreme, die nur noch eine Operation vom wahren Frausein entfernt ist, zeigt ihr, welche Befreiung in ihrer Entstellung liegt: denn endlich kann sie sein, wer immer sie will – auch der Racheengel, den sich Exfreund und Exfreundin nicht in ihren schlimmsten Albträumen hätten vorstellen können …
Shannon McFarland ist wunderschön, hat einen Traummann zum Freund und eine großartige beste Freundin – und dann hat sie einen Unfall. Was ihr bleibt ist nur eines: eine Fratze. Kaum jemand kann es ertragen, in ihr entstelltes Gesicht zu sehen, bis sie Brandy Alexander kennenlernt. Die Drag Queen Supreme, die nur noch eine Operation vom wahren Frausein entfernt ist, zeigt ihr, welche Befreiung in ihrer Entstellung liegt: denn endlich kann sie sein, wer immer sie will – auch der Racheengel, den sich Exfreund und Exfreundin nicht in ihren schlimmsten Albträumen hätten vorstellen können …
Klappentext
"Gemessen an 'Fratze' erscheint 'Fight Club' wie ein gemütlicher Kinderspaziergang." San Francisco Chronicle
"Erschütternd, pervers, zum Schreien komisch - ein wilder Turboritt der Katastrophen! Mag gut sein, dass 'Fratze' Palahniuks bestes Buch ist." Seattle Times
Über den Autor
Der amerikanische Autor Chuck Palahniuk, geboren 1962, träumte lange davon, Schriftsteller zu werden. Doch erst ein persönlicher Einschnitt in seinem Leben gab ihm schließlich den Impuls, seinen Traum zu verwirklichen. Seit seinem Überraschungserfolg »Fight Club« genießt Palahniuk nicht nur bei zahllosen Lesern Kultstatus, er hat sich mit seinen folgenden Romanen auch in die Riege amerikanischer Bestsellerautoren geschrieben. Chuck Palahniuk lebt in Portland, Oregon.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Der Schauplatz soll ein großer Hochzeitsempfang in West Hills sein, in einem großen Gutshaus, alles voll mit Blumensträußen und gefüllten Pilzen. Man nennt das Scene Setting: wer sich wo befindet, wer am Leben ist, wer tot ist. Evie Cottrells großer Hochzeitsempfangsaugenblick. Evie steht auf halber Höhe auf der großen Treppe in der Vorhalle des Hauses, nackt unter dem, was von ihrem Hochzeitskleid übrig ist, das Gewehr noch in den Händen.
Ich stehe am Fuß der Treppe, aber nur körperlich. In Gedanken bin ich wer weiß wo.
Bis jetzt ist noch keiner richtig tot, aber sagen wir, die Uhr ist am Ticken.
Nicht dass irgendwer in diesem großen Drama eine echte lebende Person wäre. Evie Cottrells Aussehen geht auf einen Fernsehwerbespot für ein Bio-Shampoo zurück, nur dass ihr Hochzeitskleid jetzt abgefackelt ist, mal abgesehen von dem um ihre Hüften kreisenden Reifrockdraht und den kleinen Drahtskeletten der Seidenblumen, die sie in den Haaren hatte. Und Evies Haare, ihr großer, hochtoupierter, zurückgekämmter und mit Haarspray aufgeblasener Regenbogen in sämtlichen Blondschattierungen, nun, Evies Haare sind ebenfalls abgefackelt.
Die einzige andere Hauptperson hier ist Brandy Alexander, die, von Gewehrkugeln getroffen, am Fuß der Treppe liegt und verblutet.
Ich sage mir, dass der rote Strahl, der aus Brandys Schusswunde sprudelt, nicht als Blut anzusehen ist, eher als ein soziopolitisches Symbol. Die Sache mit dem Klon aus einem Shampoo-Werbespot gilt auch für mich und Brandy Alexander. Jemanden in diesem Zimmer niederzuschießen, ist moralisch etwa so verwerflich wie ein Auto zu töten, einen Staubsauger, eine Barbiepuppe. Eine Computerdiskette zu löschen. Ein Buch zu verbrennen. Wahrscheinlich gilt das immer, egal, welche Person auf der Welt man tötet. Wir alle sind solche Produkte.
Brandy Alexander, die langstielige, macchiatobraune Queen Supreme unter den Partygirls der ersten Liga, Brandy verströmt ihr Inneres durch ein Einschussloch in ihrer unglaublichen Kostümjacke. Das Kostüm ist eine billige weiße Bob-Mackie-Kopie, die Brandy sich in Seattle gekauft hat, mit einem superengen Humpelrock, der ihren Arsch in die perfekte große Herzform presst. Man glaubt nicht, was dieses Kostüm gekostet hat. Eine Gewinnspanne von zigtausend Prozent. Das Oberteil ist eine kleine Schößchenjacke mit breiten Aufschlägen und Schultern. Der einreihige Schnitt ist symmetrisch, wenn man von dem Loch absieht, aus dem das Blut sprudelt.
Dann fängt Evie an zu schluchzen, auf halber Höhe auf der Treppe. Evie, der Todesengel der Stunde. Das ist unser Stichwort, jetzt alle zu der armen Evie hinzuschauen, der armen, traurigen Evie, ohne Haare und mit nichts am Leib als Asche und dem Drahtkäfig ihres verkokelten Reifrocks. Dann lässt Evie das Gewehr fallen. Das dreckige Gesicht in den dreckigen Händen vergrabend, setzt Evie sich hin und fängt an zu heulen, als würde Heulen irgendetwas nützen. Das Gewehr, Kaliber 30 und geladen, es poltert die Stufen hinunter und rutscht über den Fußboden der Vorhalle, dreht sich um die eigene Achse, richtet sich auf mich, auf Brandy, auf die weinende Evie.
Nicht dass ich ein abgestumpftes Versuchstier oder so was wäre, das man konditioniert hat, Gewalt zu ignorieren, aber mein erster Gedanke ist instinktiv der, dass es vielleicht noch nicht zu spät ist, den Blutfleck mit Sodawasser zu behandeln.
Den größten Teil meines bisherigen Erwachsenenlebens habe ich damit zugebracht, für einen Haufen Kohle die Stunde auf weißem Hintergrundpapier zu stehen, in Kleidern und Schuhen, mit frisierten Haaren und irgendeinem berühmten Modefotografen vor mir, der mir erzählt, wie ich mich fühlen soll.
Indem er mir zuschreit: Gib mir Lust, Baby.
Blitz.
Gib mir Hass.
Blitz.
Gib mir gleichgültiges existenzialistisches Ennui.
Blitz.
Gib mir ungezügelten Intellektualismus als Bewältigungsmechanismus.
Blitz.
Es ist wahrscheinlich der Schock, mit anzusehen, wie die eine meiner ärgsten Feindinnen meine andere ärgste Feindin niederschießt, das ist es wohl. Bumm, und schon haben wir eine Win-win-Situation. Das ist das eine, und außerdem, wenn man mit Brandy zusammen ist, wird man echt süchtig nach Dramatik.
Es sieht nur so aus, als würde ich weinen, wenn ich ein Taschentuch unter meinen Schleier führe und vor den Mund halte. Um die Luft zu filtern, weil man praktisch nicht atmen kann bei dem ganzen Rauch, weil ja Evies großes Gutshaus am Brennen ist.
Während ich mich neben Brandy hinknie, könnte ich meine Hände egal wohin in mein Kleid stecken und würde überall Tabletten finden - Darvon oder Demerol oder Darvocet N-100. Das ist das Stichwort für alle, sich jetzt nach mir umzudrehen. Mein Kleid ist eine Kopie des Turiner Grabtuchs, die Muster überwiegend in Braun und Weiß, so geschnitten und drapiert, dass die leuchtend roten Knöpfe durch die Stigmata geknöpft werden. Außerdem trage ich einen schwarzen Organza-Schleier, der meterweise um mein Gesicht gewickelt und mit handgeschnittenen Swarovski-Kristallsternchen besetzt ist. Man kann nicht erkennen, wie ich aussehe, also mein Gesicht, aber darum geht es ja gerade. Der Eindruck ist elegant und frivol, und ich fühle mich unantastbar und amoralisch.
Haute Couture, und sie wird immer hauter.
Feuer kriecht die Flurtapete hinab. Das Feuer habe ich gelegt, um das Bühnenbild aufzupeppen. Spezialeffekte können sehr wirkungsvoll sein, wenn es darum geht, die Stimmung aufzuhellen, und schließlich ist das hier ja kein richtiges, echtes Haus. Was hier niederbrennt, ist eine Nachbildung, gestaltet nach der Kopie einer Kopie einer Kopie eines Gutshauses im Pseudofachwerkstil. Es ist einhundert Generationen von irgendwelchen Originalen entfernt, aber sind wir das im Grunde nicht alle?
Kurz bevor Evie schreiend die Treppe heruntergelaufen kommt und auf Brandy Alexander schießt, habe ich ein paar Liter Chanel No. 5 ausgekippt, eine brennende Hochzeitseinladung hineingehalten, und bumm, schon bin ich am Recyceln.
Eigentlich komisch, aber wenn man drüber nachdenkt, ist selbst das größte tragische Feuer letztlich nur eine anhaltende chemische Reaktion. Die Oxidation der Jungfrau von Orléans.
Immer noch auf dem Fußboden kreisend, zeigt die Mündung des Gewehrs auf mich, zeigt auf Brandy.
Tatsache ist aber auch, dass man, egal wie sehr man jemanden liebt, unwillkürlich einen Schritt zurücktritt, wenn seine Blutlache allzu nahe an einen heranschwappt.
Von dieser hochdramatischen Situation einmal abgesehen, ist es ein wirklich schöner Tag. Ein warmer, sonniger Tag, und die Vordertür, die auf die Veranda und den Rasen hinausgeht, steht offen.
Ich stehe am Fuß der Treppe, aber nur körperlich. In Gedanken bin ich wer weiß wo.
Bis jetzt ist noch keiner richtig tot, aber sagen wir, die Uhr ist am Ticken.
Nicht dass irgendwer in diesem großen Drama eine echte lebende Person wäre. Evie Cottrells Aussehen geht auf einen Fernsehwerbespot für ein Bio-Shampoo zurück, nur dass ihr Hochzeitskleid jetzt abgefackelt ist, mal abgesehen von dem um ihre Hüften kreisenden Reifrockdraht und den kleinen Drahtskeletten der Seidenblumen, die sie in den Haaren hatte. Und Evies Haare, ihr großer, hochtoupierter, zurückgekämmter und mit Haarspray aufgeblasener Regenbogen in sämtlichen Blondschattierungen, nun, Evies Haare sind ebenfalls abgefackelt.
Die einzige andere Hauptperson hier ist Brandy Alexander, die, von Gewehrkugeln getroffen, am Fuß der Treppe liegt und verblutet.
Ich sage mir, dass der rote Strahl, der aus Brandys Schusswunde sprudelt, nicht als Blut anzusehen ist, eher als ein soziopolitisches Symbol. Die Sache mit dem Klon aus einem Shampoo-Werbespot gilt auch für mich und Brandy Alexander. Jemanden in diesem Zimmer niederzuschießen, ist moralisch etwa so verwerflich wie ein Auto zu töten, einen Staubsauger, eine Barbiepuppe. Eine Computerdiskette zu löschen. Ein Buch zu verbrennen. Wahrscheinlich gilt das immer, egal, welche Person auf der Welt man tötet. Wir alle sind solche Produkte.
Brandy Alexander, die langstielige, macchiatobraune Queen Supreme unter den Partygirls der ersten Liga, Brandy verströmt ihr Inneres durch ein Einschussloch in ihrer unglaublichen Kostümjacke. Das Kostüm ist eine billige weiße Bob-Mackie-Kopie, die Brandy sich in Seattle gekauft hat, mit einem superengen Humpelrock, der ihren Arsch in die perfekte große Herzform presst. Man glaubt nicht, was dieses Kostüm gekostet hat. Eine Gewinnspanne von zigtausend Prozent. Das Oberteil ist eine kleine Schößchenjacke mit breiten Aufschlägen und Schultern. Der einreihige Schnitt ist symmetrisch, wenn man von dem Loch absieht, aus dem das Blut sprudelt.
Dann fängt Evie an zu schluchzen, auf halber Höhe auf der Treppe. Evie, der Todesengel der Stunde. Das ist unser Stichwort, jetzt alle zu der armen Evie hinzuschauen, der armen, traurigen Evie, ohne Haare und mit nichts am Leib als Asche und dem Drahtkäfig ihres verkokelten Reifrocks. Dann lässt Evie das Gewehr fallen. Das dreckige Gesicht in den dreckigen Händen vergrabend, setzt Evie sich hin und fängt an zu heulen, als würde Heulen irgendetwas nützen. Das Gewehr, Kaliber 30 und geladen, es poltert die Stufen hinunter und rutscht über den Fußboden der Vorhalle, dreht sich um die eigene Achse, richtet sich auf mich, auf Brandy, auf die weinende Evie.
Nicht dass ich ein abgestumpftes Versuchstier oder so was wäre, das man konditioniert hat, Gewalt zu ignorieren, aber mein erster Gedanke ist instinktiv der, dass es vielleicht noch nicht zu spät ist, den Blutfleck mit Sodawasser zu behandeln.
Den größten Teil meines bisherigen Erwachsenenlebens habe ich damit zugebracht, für einen Haufen Kohle die Stunde auf weißem Hintergrundpapier zu stehen, in Kleidern und Schuhen, mit frisierten Haaren und irgendeinem berühmten Modefotografen vor mir, der mir erzählt, wie ich mich fühlen soll.
Indem er mir zuschreit: Gib mir Lust, Baby.
Blitz.
Gib mir Hass.
Blitz.
Gib mir gleichgültiges existenzialistisches Ennui.
Blitz.
Gib mir ungezügelten Intellektualismus als Bewältigungsmechanismus.
Blitz.
Es ist wahrscheinlich der Schock, mit anzusehen, wie die eine meiner ärgsten Feindinnen meine andere ärgste Feindin niederschießt, das ist es wohl. Bumm, und schon haben wir eine Win-win-Situation. Das ist das eine, und außerdem, wenn man mit Brandy zusammen ist, wird man echt süchtig nach Dramatik.
Es sieht nur so aus, als würde ich weinen, wenn ich ein Taschentuch unter meinen Schleier führe und vor den Mund halte. Um die Luft zu filtern, weil man praktisch nicht atmen kann bei dem ganzen Rauch, weil ja Evies großes Gutshaus am Brennen ist.
Während ich mich neben Brandy hinknie, könnte ich meine Hände egal wohin in mein Kleid stecken und würde überall Tabletten finden - Darvon oder Demerol oder Darvocet N-100. Das ist das Stichwort für alle, sich jetzt nach mir umzudrehen. Mein Kleid ist eine Kopie des Turiner Grabtuchs, die Muster überwiegend in Braun und Weiß, so geschnitten und drapiert, dass die leuchtend roten Knöpfe durch die Stigmata geknöpft werden. Außerdem trage ich einen schwarzen Organza-Schleier, der meterweise um mein Gesicht gewickelt und mit handgeschnittenen Swarovski-Kristallsternchen besetzt ist. Man kann nicht erkennen, wie ich aussehe, also mein Gesicht, aber darum geht es ja gerade. Der Eindruck ist elegant und frivol, und ich fühle mich unantastbar und amoralisch.
Haute Couture, und sie wird immer hauter.
Feuer kriecht die Flurtapete hinab. Das Feuer habe ich gelegt, um das Bühnenbild aufzupeppen. Spezialeffekte können sehr wirkungsvoll sein, wenn es darum geht, die Stimmung aufzuhellen, und schließlich ist das hier ja kein richtiges, echtes Haus. Was hier niederbrennt, ist eine Nachbildung, gestaltet nach der Kopie einer Kopie einer Kopie eines Gutshauses im Pseudofachwerkstil. Es ist einhundert Generationen von irgendwelchen Originalen entfernt, aber sind wir das im Grunde nicht alle?
Kurz bevor Evie schreiend die Treppe heruntergelaufen kommt und auf Brandy Alexander schießt, habe ich ein paar Liter Chanel No. 5 ausgekippt, eine brennende Hochzeitseinladung hineingehalten, und bumm, schon bin ich am Recyceln.
Eigentlich komisch, aber wenn man drüber nachdenkt, ist selbst das größte tragische Feuer letztlich nur eine anhaltende chemische Reaktion. Die Oxidation der Jungfrau von Orléans.
Immer noch auf dem Fußboden kreisend, zeigt die Mündung des Gewehrs auf mich, zeigt auf Brandy.
Tatsache ist aber auch, dass man, egal wie sehr man jemanden liebt, unwillkürlich einen Schritt zurücktritt, wenn seine Blutlache allzu nahe an einen heranschwappt.
Von dieser hochdramatischen Situation einmal abgesehen, ist es ein wirklich schöner Tag. Ein warmer, sonniger Tag, und die Vordertür, die auf die Veranda und den Rasen hinausgeht, steht offen.