Mit "Fratze" wurde nun das bereits im Jahre 1999 publizierte "Invisible Monsters" ins Deutsche übersetzt und bei Goldmann Manhattan verlegt. Chuck Palahniuk, dessen Roman "Fight Club" als Grundstein seines Erfolges gilt, beschreibt hier auf 287 Seiten einen Strudel aus Perfidie, der aufgrund seines "verstörenden Inhaltes" vor gut 10 Jahren keinen Verlag gefunden hatte.
Der Autor erzählt die Geschichte der Shannon McFarland, die ein wundervolles Leben voller Glamour und Ruhm führt und mit einer betörenden Schönheit gesegnet wurde - doch dann hat sie einen schrecklichen Unfall und alles was ihr bleibt, ist eine unerträgliche Fratze. Im Krankenhaus lernt sie dann die Drag Queen Brandy Alexander kennen, die ihr zeigt, wie sie trotz des entstellten Gesichtes ein wunderbares Leben führen kann. Sie kann sein, wer sie will - auch der bösartige Racheengel, der sich an der verlogenen besten Freundin und dem Exfreund Genugtuung verschaffen kann.
Was wie ein "Kill Bill" in Buchform klingt, entpuppt sich als ein raffiniert geschriebener, in Teilen perverser Thriller, der mit einigen erschreckenden Wendungen innerhalb der Handlung auf den Leser wartet. Der Erzählstil setzt sich ebenfalls gekonnt von bereits bestehendem ab. Zum Beispiel beginnt Palahniuk seine Geschichte mit dem Ende der Geschichte (keine Angst, ich habe Ihnen bei Weitem nicht zu viel verraten, denn was auf den kommenden 250 Seiten passiert, ist so abgedreht und gewaltig, dass man damit nicht rechnen kann).
Chuck Palahniuk hat einen unglaublichen Stil und schildert seine Geschichte mit einer entlarvenden Wucht, die den Leser staunen lässt. Er seziert gekonnt die Geflogenheiten einer Gesellschaft in der das Aussehen die Hauptrolle spielt und karikiert diese bitterböse. Sätze, wie "Ihr alle seid das Produkt einer gemeinschaftlichen Anstrengung" oder "Wenn wir nicht wissen, wen wir hassen sollen, hassen wir uns selbst" haben eine literarische Sprengkraft, die seinesgleichen sucht.
"Fratze" wird von Shannon in der Ich-Perspektive erzählt, wodurch nur fragmentarisch Einzelheiten der Handlung offenbart werden. Und ganz zum Schluss ist sowieso alles anders als man vorher gedacht hat.
Chuck Palahniuk ist ein herausragender Schriftsteller, der völlig zu Unrecht in Deutschland eine viel zu kleine Fangemeinheit besitzt.
Gib mir eine tolle Story und interessante Charaktere.
Blitz.
Gib mir ein spannendes Buch und ein erschütterndes Ende.
Blitz.
Wenn Sie das Buch gelesen haben, wissen Sie, was es damit auf sich hat.