Ja, es gehört wirklich Mut, fast schon Vermessenheit dazu, den beiden hochrangig besetzten Fratres-Einspielungen auf Pärts folgenreicher Debut-CD bei ECM (Kremer mit Jarrett! 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker!) etwas entgegen- oder wenigstens an die Seite stellen zu wollen. Aber wie leicht man an einem solchen Untermnehmen scheitert, das beweisen die Mitglieder des Ungarischen Staatsorchesters unter T. Benedek, das beweist auch das Label Naxos mit der vorliegenden CD.
Neben halbwegs erträglichen Einspielungen wird hier wahrhaft Schauerliches geboten: Die Fratres-Version für Violine und Klavier etwa, bei der wir an Gidon Kremers stupende Technik (Einleitung!) und seine filigranen, ätherisch-schwerelosen Flageoletts denken müssen, gereicht bei den Ungarn zum gewiß gut gemeinten, aber spieltechnisch wie musikalisch unbeholfenen Versuch, auch nur etwas von dem, was pärtianische Klangmystik ausmacht, erstehen zu lassen. Vor der Cello- und der Streichquartettfassung rette sich, wer kann...
Liebe Damen und Herren vom Ungarischen Staatsorchester, Sie wären mit Bartók und Kodály wohl besser beraten gewesen. Pärt aber, so technisch einfach viele seiner Stücke auch sein mögen, überlassen Sie doch bitte berufeneren Kollegen! Danke vielmals!