Berling, bekannt als Verfasser dickleibiger Historienromane und dickleibiger Schauspieler in Historienfilmen, hat sich des Franz von Assisi angenommen, kann aber auch in diesem Zusammenhang nicht vom heiligen Gral lassen, dem er schon "Die Kinder des Grals" abgerungen hat. Das Ergebnis ist so spannend wie eine Geschichtsvorlesung, oder eher noch: wie ein historsches Hauptseminar - ein Referat nach dem anderen. Während in "Die Kinder des Grals" immerhin noch Felsenburgen erstürmt und Meere befahren wurden, wird in "Franziskus" nur Tagebuch geschrieben. Die beiden Hauptschreiber, Bischof Guido II. und sein Sekretär John Turnbull, schreiben sich gegenseitig auf, was sie schon wissen; und der Leser gähnt und wartet, ob vielleicht doch noch etwas passiert... Wie Franziskus Asche über sein Mittagessen gegeben haben soll (um sich aus Selbstkasteiungsgründen den Appetit zu verderben), so versalzt Berling sein Werk mit Randglossen, die zweierlei Nutzen haben: sie machen das Buch noch etwas dicker, und sie lenken vom Haupttext ab. Ca. dreimal pro Seite läßt der Leser der Blick nach rechts bzw. links schweifen, um sich ca. dreimal pro Seite zu ärgern über Anmerkungen von der Art: "Donjon" - "aus der normannischen Burgbauweise übernommen". Ein klug kalkuliertes Vorgehen; schließlich erklärt Berling in der "Vorgeschichte" seine Absicht, "das Auge des geneigten Lesers nicht in irgendwelche Fußnoten abrutschen zu lassen oder ihn gar zu verleiten, im Anhang zu blättern". Die Kürzel (ASS, ROM, CAP, BAU u.ä.), die sich ebenfalls reichlich in den Randglossen finden, regen zum Blättern bestimmt nicht an. Daß die Glossen auch noch zum größten Teil verrutscht und also nur während längerer Unterbrechungen des Leseflusses zuzuordnen sind, ist zwar ebensowenig dem Autor anzulasten wie die vielen Druckfehler (bemerkenswerterweise fehlen vor allem Umlaut-Punkte), stört aber trotzdem. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)