Wer das authentisch "Franziskanische" erforschen will, sollte diesen Film nicht mit Franziskus in Verbindung bringen, sondern ihn als Kostümfilm ansehen, dann bleibt die Enttäuschung aus. Es werden auch nur biographische Details verwendet, die keine Gesamtschau ergeben.
Während bei Zeffirelli die spirituelle Atmosphäre und Absicht des Franziskus gut eingefangen und dargestellt wird, fehlt es dem Hintergrund an Realismus. Hier wiederum darf die realistische Darstellung und der harte soziale Hintergrund (Armut, Schmutz, Krankheit), wie er dem Jahrhundert angemessen war, als sehr gelungen dargestellt betont werden.
M. Rourke: schönes Gesicht (jetzt ja bekanntlich nicht mehr ;) ), bemühte Darstellung, aber das Spirituelle fehlt, diese Einbindung schafft er nicht. In der Szene, als er die Stigmata empfängt, hat man eher das Gefühl, Gott wird zu was genötigt, was er gar nicht will! :)
H. Bonham-Carter: Sie glänzt in allen ihren Filmen durch sehr reduzierte Darstellung, dabei hervorragend gefühlvolle Präsenz in der Rolle (vgl. King s Speech!), hier aber hat man den Eindruck, sie hat schauspielerisch nichts zu tun.
Dafür sind die Schauspieler, welche die Eltern des Franziskus in ihrer Verwirrung über den Sohn verkörpern ausgezeichnet: Andrea Ferreol (die Mutter), längst bekannte Schauspielerin seit den 70er Jahren, und auch der Vater in seiner Ohnmacht, weshalb der Sohn aus den Konventionen, mit denen er so stark rechnet, ausbricht.
Manche Szenen bleiben etwas in der Luft hängen (z.B. Überreichung der Ordensregeln an den soeben verstorbenen Papst), aber im ganzen ein Historienfilm guten Durchschnitts, der von den Nebendarstellern und seinen Kulissen getragen wird.