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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
45 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Intensiv gelebte Beziehungen und Konflikte,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Franziska Linkerhand: Roman (Brigitte Reimann) (Gebundene Ausgabe)
Franziska Linkerhand lebt, als hätte sie nur wenig Zeit, alle Facetten des Lebens zu erfahren, zu genießen und zu erleiden - als Frau und als Architektin in den Anfangsjahren der DDR. Franziska Linkerhand ist Brigitte Reimann, Ich-Form und Erzählperspektive stoßen den Leser, der sich auf die manchmal etwas anstrengende Dichte der Erzählweise einläßt, in die Anfangsjahre der DDR . 10 Jahre schrieb die Autorin an ihrem wichtigsten Werk , es blieb unvollendet. Brigitte Reimann starb, bevor der Roman erstmals 1974 erschien. Im letzten Jahr wurde er vom Berliner Aufbau-Verlag neu aufgelegt. Wer sich für die ehemalige DDR interessiert, findet im Werk von Brigitte Reimann einen Schlüssel zum Alltag im verschwundenen Deutschen Staat. Franziska Linkerhand liebt viele Männer, sie liebt die Wahrheit und sie liebt ihren Beruf - und sie haßt Kompromisse. Immer wieder am Rande zum Verrücktwerden reflektiert sie über die Politik ihrer Zeitgenossen, Kollegen und über die Menschen, die ihr nahestehen. Ein ehrliches und stellenweise bestürzendes Zeugnis über die Unmöglichkeit, sich selbst politisch und moralisch treu zu bleiben, das zwar in der DDR spielt, aber auch in anderen Staaten immer aktuell sein wird.
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43 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Entdeckung der essentiellen Unauffälligkeiten,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Franziska Linkerhand: Roman (Brigitte Reimann) (Gebundene Ausgabe)
Brigitte Reimanns Buch ist nicht eines, was sich in ein paar Tagen oder einer Woche lesen läßt, es ist auch keines, dessen Handlung so sehr fesselt, daß man es stundenlang nicht aus der Hand legen kann...Hineinschauen wird man trotzdem immer wieder und dabei der Titelheldin näher kommen, sich Stück für Stück in ihr Lebensumfeld finden und ihr entweder mit einiger Distanz folgen oder direkt neben ihr laufen.Franziska Linkerhand, Mitte zwanzig, ist so efolgreich wie man es in der DDR-Gesellschaft im Grunde nur sein kann: Sie schliesst mit Bravour ihr Architekturstudium ab und entschliesst sich, ein vollkommen neues Leben zu beginnen, indem sie beim Aufbau eines Neubaugebietes mitwirken möchte, irgendwo im Grenzgebiet zu Polen. Zu den unerwarteten Schwierigkeiten, dir ihr das Alltagsleben dort bringen, gesellen sich eine ganze Menge privater Konflikte, kleine Katastrophen, wie sie jeder kennt. Die Geschichte der Franziska Linkerhand geht eher leise vonstatten, bezieht aber gerade daraus ein grosses Stück Authentizität. Es sind in erster Linie die Dichte der sprachlichen Darstellung und die Fähigkeit Brigitte Reimanns im richtigen Moment die Perspektiven zu wechseln, die die Faszination des Romans ausmachen. Die Mischung aus Ich-Erzählung und distanzierter Beobachtung lässt dem Leser immer wieder Spielraum, die Charaktere zu hinterfragen; Gefühlsdarstellungen, Erlebnisschilderungen und Dialoge leben von Reimanns Talent zur haargenauen Beobachtung. In nie zuvor bemerkten, scheinbar uninteressanten Details entdeckt man dann plötzlich Erklärungsmuster für essentielle menschliche Verhaltensweisen, ohne dass das Gefühl da ist, die Autorin dränge den Leser oder die Leserin in ein bestimmtes Denkschema hinein. Völlig unabhängig vom Kontext (Brigitte Reimann lebte nunmal in der DDR) geht es in dem Buch schlicht und einfach um die Schwierigkeit, ein Mensch zu sein, im Grunde sogar darum, eine Frau zu sein - ohne daß dabei ständig und offensichtlich zur Sprache kommt, daß es sich hier um einen weiblichen Emanzipationsversuch handelt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schlichte Wohnblocks sind Zeichen der Ohnmacht,
Rezension bezieht sich auf: Franziska Linkerhand. (Broschiert)
Der Roman behandelt den Lebensweg einer Architektin in der DDR. Sie erlebt eine Kindheit in den Nachkriegsjahren, heiratet dann früh einen Bekannten ihres Bruders, einen eher schlichten Typ, dessen Aussehen sie beeindruckt hat. Nach sehr kurzer Zeit verfällt er dem Alkoholismus, wird gewalttätig und sie lassen sich scheiden. Schon zu dieser Zeit studiert sie Architektur und wird von einem ihrer Professoren gefördert. Sie nimmt eine Stelle in einem kleinen Architekturbüro an, in einer Stadt, die Bitterfeld ähnelt. Sie wohnt dort in einer Art Wohnheim, wo sie mehrere Frauen kennenlernt, die in sozial eher misslichen Lagen stecken. Ihr Chef und ihr Kollege in dem Architekturbüro spielen wichtige Rollen. Ihr Kollege ist ein gutgelaunter Frauenheld mit einem aufsehenerregenden Auto, mit dem sie oft ausgeht, und der von seinem Job nicht mehr erwartet, als dass er etwas Einkommen abwirft. Ihr Chef sieht eher abstoßend aus. Er lebt mit seiner Frau, die ihn inzwischen nicht mehr interessiert, und mehreren Kindern auf dem Land. Als Franziska ihn dorthin einmal begleitet und die Ehefrau trifft, meint sie bei ihr eine tiefe Unzufriedenheit darüber zu entdecken, nie berufstätig gewesen zu sein und ihr Leben nur ihrer Familie gewidmet zu haben. Irgendwie besteht zwischen Franziska und dem Chef aber eine diffuse Anziehung.Franziska ist von ihrer Arbeit enttäuscht, weil sie gehofft hatte, als Architektin etwas bewegen zu können, die ganzen Pläne von neuen, besseren Städten, von denen oft die Rede war, die ein besseres Leben ermöglichen sollten, umsetzen zu können. Tatsächlich wird ihr aber nur erlaubt, funktionale Wohnblöcke möglichst schnell hochzuziehen. Ihr Chef ist derjenige, mit dem sie diese Diskussionen immer wieder erfolglos ausfechten muss. Sie fängt irgendwann eine Affäre an mit einem robusten Typ, der früher einmal Redakteur war, aber wegen regimekritischer Artikel nicht mehr schreiben durfte. Er ist allerdings verheiratet und auch eigentlich relativ zufrieden in seiner Ehe. Der Roman muss nicht als DDR-Roman gelesen werden. Er hat als ein zentrales Thema die Möglichkeit (oder Unmöglichkeit), im Beruf idealistische Ziele zu verfolgen. Er beschreibt diese Unmöglichkeit sachlich als Biografie, in der alle für ein Leben relevanten Einflüsse und Zwänge vorkommen, und macht auf diese Weise deutlich, wie das eine jeweils auf das andere ein- und zurückwirkt. Der Roman ist manchmal etwas ernst und relativ trocken erzählt, an vielen Stellen ziemlich ausführlich, manchmal auch sehr explizit. Streckenweise liest es sich etwas zäh. Aber das Fehlen von Ironie, die Zurückhaltung und die vielen Beobachtungen mit dokumentarischem Wert machen das Buch insgesamt sehr lesenswert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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