"Barbara oder die Frömmigkeit" sei dem empfohlen, der sich für das Leben des Dichters Werfel interessiert, denn der Text enthält sehr viele autobiographische Details aus des Autors erster Lebenshälfte; empfohlen sei das Buch auch denen, die sich für den 1.Weltkrieg und für das Leben in Wien unmittelbar danach interessieren, für Egon Erwin Kisch, die Rote Garde, die weltanschaulichen und politischen Gespräche der Intellektuellen im berühmten Cafè Central im Jahre 1918.
Wer einen ersten Zugang zu Werfels Werk sucht, dem sei von diesem Buch eher abgeraten - es ist überladen von seinen manchmal gescheiten aber leider oft pathetisch vorgetragenen Ansichten, der Stil (und auch die Ansichten) schmeckt antiquiert, die häufig verwendete direkte Rede ermüdet. Die vier Lebensfragmente des Protagonisten Ferdinand sind nur lose verbunden, es fehlt der Spannungsbogen, da wo man innere Entwicklungen nachvollziehen möchte, klaffen viele Leerstellen.
Werfel war, so meine ich, ein Meister der Novelle, der kürzeren Texte - "Eine blassblaue Frauenschrift" zum Beispiel ist spannend und lesenswert.
Fazit: "Barbara oder die Frömmigkeit" ist nur den einschlägig Interessierten (siehe oben) zu empfehlen.