"Höret die Stimme" gehört für mich inzwischen zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe. Es geht um die Geschichte Jeremias, den wir als einen der bekanntesten Propheten des alten Testamentes kennen (sollten). Franz Werfel beschreibt sein Leben und Leiden, sein Schicksal (und damit auch das Schicksal seines Volkes), das Schicksal eines Menschen, der das Gotteswort in sich vernimmt... das aber dann (fast) niemand hören will. "Höret die Stimme" lautet demnach auch der Titel. Das Werk ist so gewaltig, daß man gar nicht weiss, wo man anfangen soll etwas darüber zu sagen. Vielleicht soviel: Die spannende, unglaublich realistisch beschrieben Szenerie (bestens recherchiert) und die Wortkreativität, die das Erzählte sichtbar werden lässt, offenbart den "Meister", aber damit nicht genug, denn das bildet "nur" die Basis für eine Erzählweise, die so anschaulich und plausibel wird, daß man sich als Leser kaum vorstellen kann, daß Werfel dies alles "erdichtet" haben soll. Vielmehr klingt es eher so, als sei er dabeigewesen, als erinnere er sich da an etwas, so wie man das z.B. bei "Es begann in Atlantis. Ein Lebensweg durch die Jahrhunderte." finden kann. Für mich bekam durch diese Buch dieser Teil des alten Testaments zum ersten Mal ein menschliches Gesicht. Das Thema "Künder" zu sein, wie Werfel den Propheten nennt, ist zudem höchst aktuell in unserer Zeit in der es nur so von sog. "Channels" und selbsternannten medialen "Lichtarbeitern" wimmelt. "....Des echten Künders Kunst bestand nur darin, "richtig" zu hören, das heißt die ergangene Raunung von allem trüben Zusatz zu entmischen, der aus den Leidenschaften, Begierden und Willenszielen des Eigenwesens stammte. ..." Dr. Justinus Kerner war Zeitzeuge eines solchen Künders (Jacob Lorber), der in Deutscher Sprache das sog. "Innere Wort" vernahm, das Wort des Herrn. Wenn schon ein Jeremias seine liebe Not hatte das Wort des Herrn von anderen inneren Stimmen zu sondieren, dann ist es für den "normalen" Menschen gewiß auch nicht gerade leicht. In Lorbers Fall mag das anders sein, denn er starb 1864 und so kann man seine "Früchte" heute leicht prüfen. In "Die Himmel geben Antwort" kann man mehr über diesen zeitnahen Mann erfahren. Wenn man "Höret die Stimme" liest, dann wird auch klarer, wie unsere Christlichen Wurzeln im Alten Testament ruhen und damit in der geistigen Welt des Judentums. Weder rühmt Werfel dies Volk, noch verwirft er es, wenn es die Pfade des Herrn verlässt. Er lässt gelten "wie" es ist indem er tief mitfühlend mit Worten malt, was in jener Zeit geschieht und dies durch die Augen seines Künders, dessen Seele von Ereignis zu Ereignis reift. Manchmal, so denke ich, hatte wohl auch Werfel solche "Raunungen"... und wer weiß, vielleicht ist das ganze Werk eine einzige Raunung. Es würde mich nicht wundern, so tief wie es mich berührte..