Man muss die Epoche der Romantik voll ernst nehmen und sie noch nicht postmodern zynisch durchdringen - nur dann kann man meines Erachtens voll erfassen, was dieses Buch bedeutete und wie es zu erfuehlen ist. Einerseits naemlich ragt es ueber seine Zeit hinaus, ist stilistisch anspruchsvoll und schoen geschrieben, bringt uns herrliche Bilder von weiten Landschaften und manche Szene der intensiven Freundschaft - und vor allem eine immer noch aktuelle Debatte ueber den Wert der Kunst - andererseits aber bleibt das Buch auch in seiner Zeit - der Epoche der Romantik verhaftet. Damals inspirierte es Novalis, Tieck, Eichendorff, war Vorreiter fuer viele andere romantische Werke. Und als solches bleibt es auch weitgeschichtlich bestehen.
Es ist die Geschichte des jungen Franz Sternbald, eines Schuelers Albrecht Duerers, der in die Welt hinauszieht, um zu lernen, wie er malen kann und was sein Weg sein wird. Sich von Nuernberg und seinem Freund Sebstian zu verabschieden faellt Franz sehr schwer. Dort, wo er Halt fand, hatte er das Malen gelernt, jetzt wird er auf sich gestellt sein. Der Freund, der seine Seele und Sorgen teilte, bleibt zurueck, und Franz fuerchtet, sich ihm zu entfremden auf der Reise.
Franz zweifelt. Kann er, wird er je ein Kuenstler sein wie sein grosser Meister oder wie die Meister aus Holland und Italien? Ist er dazu ausersehen, zu arbeiten und Grosses zu schaffen? Sind seine Bilder so ausdrucksstark? Und vor allem: Nuetzt sein Werk jemanden? Was sucht er hierin?
Er macht sich auf den Weg und begegnet manchem Weggefaehrten, der ihn inspiriert oder vom Weg abbringen will, an dem sich aber Franzens innere Meinung der Kunst und dem Leben gegenueber auch erst definiert.
Wir lesen seine Briefe nach Hause, finden manches Gedicht oder Lied seiner Weggefaehrten, finden Franz in manch atemberaubender Landschaft und sehen ihn malen. Dann wieder lesen wir lange Diskussionen ueber den Sinn von Kunst und folgen interessiert dem Weg des jungen Malers zu sich selbst.
Mir hat das Buch ungewoehnlich gut gefallen. Die Bilder und Worte drangen haltlos in meinen Geist und mein Herz und beruehrten mich zutiefst. Ich verstehe aber, dass es manch modernem Leser schwer fallen wird, die Intensitaet der dargestellten Gefuehle noch vorbehaltlos nachzuempfinden. Dazu moechte ich aber ermutigen. Es lohnt sich, man kann nichts verlieren, nur gewinnen.
Wegen des schoenen Stiles, der Intensitaet und Aesthetik und wegen der schoenen Diskussionen ueber Kunst - sehr zu empfehlen.