Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 als Sohn, des aus einfachsten Verhältnissen stammenden jüdischen Kaufmanns Hermann Kafka und der einer wohlhabenden Familie angehörenden Mutter Julie Kafka in Prag geboren. In diesem Jahr, am 3. Juli wurde der 125. Geburtstag von Franz Kafka gefeiert, er wurde bekanntlich aber noch nicht einmal 41 Jahre alt. Er starb 1924 nach einem Blutsturz an Lungentuberkulose. Sein Hauptwerk bilden die drei Romane "Der Prozess", "Das Schloß" und "Der Verschollene", sowie zahlreiche Erzählungen und Briefe. Kafkas Werke wurden erst, gegen seinen Willen, nach seinem Tod von seinem damaligen Freund Max Brod veröffentlicht.
Als Hommage an den großen Schriftsteller hat der wohl beste Kafka Kenner, Klaus Wagenbach, Honorarprofessor für Neuere deutsche Literatur an der FU Berlin, ein Bilderbuch mit einem umfangreichen Textteil publiziert. Seit 55 Jahren hat der Autor Dokumente und Bildermaterial gesammelt und ein beachtliches Archiv angelegt, welches nun das Fundament für diesen Band bildet, hat sich scherzhaft als "letzte lebende Kafka Witwe" bezeichnet. Sämtliche wichtigen Personen, Orte, Dokumente, Begegnungen und Landschaften sind zusammengetragen und zeichnen das Leben von Franz Kafka von 1983 bis 1924, mit seinen Höhepunkten und Tiefpunkten nach. Kafka gilt als Heros der "Schrift". Er hatte kein besonders gutes Verhältnis zu seinem raumverdrängenden" Vater und ihn quälte außerdem eine Atem raubende Lungenkrankheit. So zog er sich zum Schreiben in sein "Exil" zurück. In "Die Verwandlung" kommt die Hassliebe zum Vater zum Ausdruck, denn da wird Gregor, der Sohn und Protagonist, als nutzloses Ungeziefer dargestellt. Die Unterdrückung durch den Vater ließ Kafka zu dem selbstkritischen, introvertierten Menschen werden, der er zeitlebens geblieben ist. Auch seine Mutter behandelte den jungen Franz wie einen Unterprivilegierten.
Während der Universitätsjahre hatte Kafka einen bleibenden Kreis gleichaltriger Freunde. Besondere Beziehungen unterhielt er zu Max Brod, der schon früh Kafkas literarische Bedeutung erkannte. Kafka war keinesfalls sozial isoliert, aber er war ein eigenwilliger Erotiker. Mit drei Schwestern aufgewachsen, hatte er im Bekanntenkreis einen gewissen Ruf als Frauenversteher. Ein Dokument dafür sind auch seine Briefe an seine Verlobte Felice Bauer. Bis zur offiziellen Verlobung musste er seine Zweifel an der Richtigkeit der Verlobung in rund 300 Briefen niederschreiben. Enge Beziehung unterhielt er zu der Familie seiner jüngsten Schwester Ottla.
Man liest und blättert in dem Buch, sieht die Bilder der Eltern, der Freundinnen, der Freunde, der Städte von damals, erfährt wie und wo die Werke entstanden sind. Kafka galt als Prophet der Schrecken des zwanzigsten Jahrhunderts, aber dieses Bilderbuch beweist, dass es keine in Eis und Schnee versunkenen kalte Welt war, sondern eine Welt voller Begehren und Ängste, voller Zuversichtlichkeit, Verlangen und Aussichtslosigkeit, eben eine widersprüchliche Welt, bei der ständigen Suche nach dem Sinn des Lebens.
Ein fulminantes Buch von großes Sogkraft, welches man immer wieder gern einmal zur Hand nimmt.