Auf die Nationalitätenproblematik und die Geschichte des national-liberalen Lagers im alten Österreich spezialisiert hat Lothar Höbelt unter dem Titel "Franz Joseph I. Der Kaiser und sein Reich. Eine politische Geschichte" 2009 neben seinem interessanten Werk über "Die Habsburger. Aufstieg und Glanz einer europäischen Dynastie" auch eine interessante politische Biografie der personifizierten nationalen Klammer Österreich-Ungarns vorgelegt.
Den besonderen Fokus hat Höbelt dabei auf das Reich und damit die Nationalitätenpolitik Franz Josephs gelegt, mit welcher er sich schon seit Jahren intensiv auseinandergesetzt hat. Diese Regierungskunst des Kaisers, alle seine Völker in einem permanenten wohltemperierten Zustand der Unzufriedenheit zu belassen, ein gemeinsames Agieren der politischen Kräfte zu unterbinden, ohne übergeordnete Institutitonen zu gefährden nimmt daher auch den wichtigsten und damit größten Anteil des Werks ein. Dadurch die Biografie ihre politische Dimension, wird von der kaiserlichen Nationalitätenpolitik beginnend mit dem Jahre 1848 auch das Gefüge der Gesamtmonarchie untersucht.
Dem Revolutionsjahr 1848 räumt Höbelt dabei eine zentrale Rolle ein, von der ausgehend er die oft unglückliche Außenpolitik des Habsburger-Reichs nachzeichnet, die sich in ungünstiger Lage keine kolonialen Ambitionen leisten konnte und darin übte einen Keil zwischen Großbritannien und Frankreich zu treiben, Russland auf Abstand und Italien neutral zu halten. Franz Josefs Minister waren dabei aber kein Beispiel für einen Proporz der Nationalitäten sondern in der Mehrheit Deutsche, viele davon aus den böhmischen Ländern, wo Höbelt den einflussreichsten Verein der Monarchie verorter, das deutsche Casino in Prag. Obwohl eine Biografie geht "Franz Joseph I." doch über das rein biografische hinaus, es verbindet die Person des Kaisers mit seinem Reich. Eine zersplitterte Parteienlandschaft in der sich die liberalen Kräfte trotz gemeinsamer Interessen nicht zusammenraufen konnten, eine Wirtschaft im Aufschwung, doch mit nur begrenzten Rohstoffquellen deutet Höbelt unter anderem als für den Untergang der Monarchie verantwortlichen Faktoren.
Fazit:
Erzählerisch eindringlich hat Lothar Höbelt in der vorliegenden Biografie eine politische Geschichte der Donaumonarchie geschaffen, die Interessierten als gute Überblicksdarstellung empfohlen sei.