Von 1993 bis 1997 wurde Österreich durch eine Serie rassistisch und fremdenfeindlich motivierter Anschläge durch zahlreiche Brief- und Rohrbomben in Angst und Schrecken versetzt. Die Briefbomben waren an Personen und Organisationen gerichtet, die sich für Ausländer engagierten. Prominentestes Opfer war der Bürgermeister von Wien Zilk, dem eine Bombe die Hand zerfezte. Besonders folgenschwer war eine Sprengfalle neben einem Romalager, die 4 Tote forderte. Laut Bekennerschreiben war für die Anschläge eine sogenannte Bajuwarische Befreiungsarmee (BBA) verantwortlich. Die Polizei ermittelte daher zuerst im Umfeld neonazistischer Gruppierungen. Erst ein kriminalpsycholgisches Profil brachte die Ermittlung voran. Hierin wurde der Täter als zurückgezogen lebender Einzelgänger beschrieben. Durch die gezielte Veröffentlichung von Teilen des Profils, das sich später als erstaunlich exakt darstellen sollte, verunsicherte die Polizei den Attentäter Franz Fuchs so sehr, dass er die Nerven verlor. Bei einer Routinekontrolle durch die Polizei zündete er selbst einen Sprengkörper, der ihn jedoch nicht tötete, sondern im lediglich beide Hände abriss. In einem spektakulären Prozess wurde Fuchs zu lebenslanger Haft verurteilt und erhängte sich später in seiner Zelle.
Die Frage, ob Fuchs Einzeltäter war oder Teil einer Neo-Nazi-Bande ist bis heute umstritten. Während die Regierung die Bombenserie mit dem Tod Fuchs als wirre Taten eines Einzeltäters zu den Akten legen konnte, sahen vor allem Linke in Fuchs den Ausdruck einer allgemein fremdenfeindlichen Stimmung. Sein Selbstmord schürte die Konspirationstheorien noch mehr, denn wie sollte ein Mann ohne Hände eine Schlinge zum Erhängen knüpfen.
Regisseurin Elisabeth Scharang stellt den Fall Fuchs akribisch anhand der realen Verhörprotokolle nach. Die Verhörszenen werden ergänzt durch einzelne Spielszenen sowie durch Interviews mit Zeitzeugen. Insofern erinnert der Film etwas an das TODESSPIEL, die Dokufiktion, in der Heinrich Breloer die Schleyer-Entführung darstellte. Der Film ist sehr spannend gemacht und enthält viele interessante Einzelheiten zu den Taten und Motiven von Fuchs. In seinem Bemühen, alle Facetten des Falls darzustellen, verliert sich der Film manchmal jedoch in Details und leidet unter der Selbstdarstellung einiger Zeitzeugen.
Herausragend ist die Darstellung von Franz Fuchs durch Karl Markovics, der diesen mit einer Intensität spielt, dass man die Verrücktheit durch den Bildschirm zu spüren glaubt. Besonders intensiv ist dies in der Szene zu spüren, in der Fuchs Selbstmord verübt. Genauso akribisch wie er seine Bomben baute, knüpft er mit seinen Zähnen ein Kabel zur Schlinge.
Fazit. Spannender und sehr interessanter Film, der auch viel über die österreichische Befindlichkeit in Ausländerfragen verrät. Trotz kleiner Schwächen vor allem wegen des Hauptdarstellers sehr sehenswert.