Franz Fühmann gehört zu den großen Unbekannten der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Gunnar Decker wagt hier den Versuch, sich dem Dichter auf subtile Weise zu nähern. Ich halte diese Künstlerbiografie für absolut gelungen und empfehlenswert für alle, die bereit sind, sich mit dem Leben und Werk Fühmanns auf einer Ebene des radikal Subjektiven" auseinanderzusetzen. Es ist keine leichte Kost, keine Biografie, die sich nur am Faktischen orientiert. Vielmehr geht es dem Autor darum, die gedanklichen und künstlerischen Wurzeln Fühmanns im Kontext seiner Lebensstationen darzustellen. Dabei verwendet Decker Zitate Fühmanns vor allem aus den unzähligen Briefen Essays und Reden und geht auf Künstler ein, die das Werk Fühmanns nachhaltig geprägt haben wie z.B. Georg Trakl und Gottfried Benn.
Dem Leser wird das Rigorose im Charakter Fühmanns ebenso nahe gebracht wie seine Skepsis und die ihn kennzeichnende Fähigkeit zu unermüdlicher Selbstüberwindung. Der Autor stellt die Metamorphose Fühmanns vom verblendeten SA-Mann und Nazi-Enthusiasten zum überzeugten Antifa-Schüler anschaulich dar. Es entsteht dem Leser das Bild der 50er Jahre in der DDR. Fühmanns Rolle als NDPD-Funktionär in der Zeit des Stalinismus und seine Wandlung zum bekannten DDR-Schriftsteller werden dargestellt. Anschaulich vollzieht der Leser die künstlerische Entwicklung von Franz Fühmann nach und versteht die wichtige Rolle, die dieser für andere Künstler in Ost und West spielte. Im Laufe der 70er Jahre kühlte sich das Verhältnis Fühmanns zur DDR-Kulturbürokratie immer mehr ab und der Dichter avancierte zum Staatsfeind, nicht zuletzt durch seine Haltung in der Biermann-Ausbürgerung und die Unterstützung ungeliebter Autoren wie Wolfgang Hilbig oder Uwe Kolbe.
Fühmanns Unbedingtheit, seine Suche nach künstlerischer Wahrhaftigkeit und das beständige Streben nach dem kurzen Augenblick eines gelingenden Ausdrucks" sind dieser Kunst des Scheiterns" immanent, insofern ist der Titel des Buches treffend gewählt.
Die Beschäftigung mit Fühmann anhand der Biografie von Gunnar Decker ermöglichte mir eine Annäherung an den keinesfalls unkomplizierten Menschen Franz Fühmann, verschaffte mir einen umfassenden Einblick in dessen Lebensgeschichte und Werk und gab mir wesentliche Anregungen für weitere Lektüre.
Die Gliederung des Buches ist aus meiner Sicht gelungen, die sparsame Bebilderung halte ich eher für einen Vorzug, Zitate sind so treffend wie und aussagekräftig und eine kurze Chronik am Ende ermöglicht dem Leser einen raschen Überblick. Fünf Sterne also und eine unbedingte Empfehlung an alle Fühmann-Liebhaber und solche, die es werden wollen.