Nietzsche stellte fest, dass die Gebundenheit der Geister abnehme und damit auch die Moral als Handlungsweise. Doch es bleiben die in der Moral vererbten Tugenden wie Mäßigkeit, Gerechtigkeit und Seelenruhe - denn die größte Freiheit des bewussten Geistes führt dort hin und rät sie, die Tugenden, als nützlich. Nietzsches
Wanderer sieht dann noch weiter und er trifft auf die großen Moralisten des 17. Jahrhunderts in Frankreich. Wer also
Montaigne,
La Rochefoucault,
La Bruyere,
Vauvenargues oder
Montesquieu,
Chamfort lese, sei dem Altertum näher, als bei Autoren anderer Völker. In Folge der Renaissance ist in der Tat mit diesen Autoren wieder der Geist der alten Zeitrechnung entstanden. Man kann Nietzsche beipflichten in seiner Ausführung, dass die Gedanken dieser Moralisten anregen, sich selbst Gedanken zu machen, dass sie in Helligkeit und zierlicher Bestimmtheit Freude beim Leser erzeugen und dass sie einfach an sich Esprit und Freude verbreiten.
Mit diesen Voraussetzungen lassen sich hier bestens vier der französischen Moralisten lesen: La Rochefoucault (1613-1680), Vauvenargues (1715-1747), Montesquieu (1689-1755) und Chamfort (1741-1794). Die erstgenannten bevorzugen die natürliche Sicht auf den Menschen, während die letztgenannten eher den Menschen in der Gesellschaft sehen. Wenn man die Veränderung der Gesellschaft im zunehmenden Rationalismus mit Descartes, Leibniz, Pascal, Spinoza betrachtet, dann liest man diese Autoren auch als Pendent dieser neuen Richtung. Einbettten muss man deren Gedanken auch in die Ideen von
Voltaire und
Rousseau und so wird ein wunderbarer Klang einer Zeit vor 400 Jahren hörbar. Und man weiß, dass es immer da, wo der Mensch im Mittelpunkt steht, immer zeitgemäß ist, weil die Gedanken zeitlos sind. An diese haben sich Goethe, Schopenhauer und eben auch Nietzsche erinnert und sich vor allem inspirieren lassen. Das können auch Sie als Leser.
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