Sehr flüssig zu lesen, ähnlicher Stil wie in "Der Fänger im Roggen", wobei Franny in ihrer Ausdrucksweise (lapidar, scheinbar unüberlegt, viel erzählend ohne nachzudenken, dabei aber manchmal gute Gedanken hervorbringend - tiefsinnig, zum Nachdenken anregend) und ihrer Art an Holden erinnert.
Im ersten Teil des Buchs treffen sich Franny und ihr Verlobter Lane. Sie erzählt ihm von einem Buch, das sie fesselt; er dagegen (die Rübennase) hört nicht zu, wirkt egozentrisch, um Selbstdarstellung bemüht, ein intellektueller Schnösel. In diesem Buch, das Franny nicht losläßt, geht ein russischer Bauer auf Pilgerschaft, da er in der Bibel an verschiedenen Stellen gelesen hat, man solle beten ohne Unterlaß. Er sucht also einen Lehrmeister, der ihm zeigt, wie das geht. Irgendein Bibelkundiger erklärt es ihm; das Prinzip (und das finde ich einen wunderschönen, auf die verschiedensten Bereiche übertragbaren Gedanken) besteht darin, so monoton und permanent zu beten, bis es automatisch, fast vegetativ geschieht, wie der Herzschlag eben.
Im zweiten Teil lernt der Leser Zooeys Mutter kennen, die durch zynische, eloquente Kommentare brilliert. Das Buch gipfelt in einem intellektuellen Feuerwerk, in dem der Buddhismus angeschnitten wird, die Arroganz von Profs und Studis im amerikanischen College-System gegeißelt wird, Jesus kontrovers diskutiert und das alles gleichzeitig sarkastisch und tiefschürfend, oder zumindest ausdrucksstark; es wird nicht langweilig, im Gegenteil - vielleicht auch, wegen der Dialogform. Ein Beispiel für viele schöne Sätze: "Die Zigarren sind doch nur Ballast, Süße. Der reine Ballast. Wenn er sich nicht an der Zigarre festhalten könnte, würden seine Füße sich vom Boden heben, und wir würden unseren Zooey nie mehr wiedersehen." (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)