Gegner des vorgesehenen und aus wirtschaftlicher Sicht notwendigen Flughafenausbaus werden sich möglicherweise nicht für dieses Buch begeistern, denn der eine große Nachteil für das Umland, die Lärmbelästigung, bleibt praktisch außen vor. Realistisch werden hingegen die Verdienste und Chancen des Flughafens für die Region vorgestellt: 70.000 Arbeitsplätze, ein Knotenpunkt der Infrastruktur, der auch andere Betriebe anzieht und Frankfurt eine Rolle als europäisches Zentrum verschafft. Doch hauptsächlich geht es in diesem Buch darin, die Faszination des Flughafens zu vermitteln, dessen Komplexität, Non-Stop-Betriebsamkeit und straffe Organisation fast an einen lebendigen Organismus erinnern. Ob man nun als Vielflieger häufig am Flughafen ist oder ihn nur sporadisch mit den Kindern und Freunden von "Auswärts" besucht, um die "Flieger" zu betrachten und die vielfältigen Freizeit-, Einkaufs- und Gastronomieangebote zu nutzen, in diesem Buch entdeckt man neben manchem vertrauten Bild reichlich Neues und Verblüffendes, denn, wie erwähnt, viele Einblicke bleiben Kunden und Besuchern aus nahe liegenden Gründen üblicherweise verwehrt.
Kurze, straffe Texte geben in jedem Kapitel die wichtigsten Informationen wieder; im Zentrum stehen jedoch die Fotos, oft mindestens drei oder vier pro Doppelseite des großformatigen Buchs, was irritierend erschiene, wenn es nicht darum ginge, die gewaltige Vielfalt der Eindrücke zu vermitteln, die auch in der Realität auf den Besucher regelrecht einstürzen.
Der Fotograf spielt mit Beleuchtung und Perspektive und versteht es, repräsentative wie ungewöhnliche Motive auszuwählen, geschickt abzubilden und gegebenenfalls zueinander in Beziehung zu setzen. So sieht man auf einem Foto einen Angestellten der Vorfeld-Aufsicht mit erhobenen Kellen vor einem Flugzeug stehen; das Foto auf der gegenüberliegenden Seite zeigt ebendiesen Mann im Profil mit dem Abbild des Flugzeugs auf dem Glas seiner verspiegelten Sonnenbrille.
Mal geht es kunterbunt zu wie bei den Aufnahmen von durch den Zoll beschlagnahmten Gegenständen - ausgestopfte Tiere (und lebende), Elektronik, gefälschte Potenzpillen und so fort, mal betrachtet man ein ruhiges Büro und gegenüber zwei junge Frauen, die sich im Verwaltungsgebäude an einem Wegweiser kundig machen. Großartige Nachtaufnahmen von Start- und Landebahnen fehlen ebenso wenig wie der Blick ins Cockpit und auf die riesige Turbine eines Jumbos.
Die Fülle an Fotos und Themen müsste eigentlich verwirren. Dem ist jedoch nicht so, im Gegenteil, dem Leser und Betrachter tun sich zahlreiche interessante und spannende Zusammenhänge auf, sodass er zumindest ansatzweise zu begreifen vermag, wie ein gleichzeitig großer und sehr differenzierter Komplex wie der Frankfurter Flughafen zumeist reibungslos funktioniert. Das Layout wirkt nicht nur wegen der Fotodichte ungewöhnlich, die deutschen und englischen Texte sind komplett in Großbuchstaben gehalten; doch diese Art der Gestaltung passt gut zu einem Buch, das sich mit einem hochmodernen und -technisierten Betrieb befasst.
Dieses anschauliche und sehr lebendig aufgemachte hochwertige Buch dürfte jeden Flughafen-Fan begeistern und darüber hinaus alle, die sich für das Zusammenspiel von Technik, Wirtschaft und Verkehr interessieren, insbesondere, wenn dieses anhand von hervorragenden Fotos präsentiert wird.